Haus Loeser & Wolff

Schöneberger Ufer 47, Potsdamer Straße 58, 10785 Berlin

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»Loeser & Wolff« – das war ein Schriftzug, den man früher oft in Berlin lesen konnte. Man findet ihn auf alten Postkarten aus dem Vorkriegsberlin, und Literaturinteressierten ist er aus Walter Kempowskis Roman »Tadellöser und Wolff« oder auch aus Alfred Döblins Alexanderplatz bekannt. Der Name gehörte zur Tabakhandlung, die Bernhard Loeser und Carl Wolff 1865 gegründet hatten. Schon 1901 gehörten 66 Tabakgeschäfte in Berlin zu ihrem Imperium, und ihre Zigarrenfabrik im damals westpreußischen Elbing war eine der größten in Europa. Das jüdische Unternehmen wurde 1940 Opfer der »Arisierungsmaßnahmen« der Nationalsozialisten.

1928-1930 ließen sich Loeser & Wolff an der Potsdamer Straße, Ecke Schöneberger Ufer einen repräsentativen Firmensitz errichten. Architekt war Albert Biebendt, ein Schüler von Emil Fahrenkamp, dessen Shell-Haus fast gegenüber auf der anderen Seite des Landwehrkanals steht. Das Haus gehört mit sieben Stockwerken zu den ersten Hochhäusern in Berlin, es ist in Stahlskelettbauweise ausgeführt. Die Fassade ist mit Sandsteinplatten verkleidet, stark horizontal gegliedert und in den oberen Etagen stufenförmig versetzt. Die Innenausstattung weist vor allem im Eingangsbereich und den Treppenhäusern viele Stilelemente des Art-Déco auf. Seit 1955 steht es unter Denkmalschutz.

Zwischen 2002 und 2004 wurde das Gebäude aufwendig restauriert und um zwei weitere, gläserne Etagen aufgestockt. Die Planung für die beiden neuen Geschosse übernahm das Architektenbüro Gerkan, Marg & Partner. Es gab heftigen Streit um diese Aufstockung, bis in den Bauakten die ursprünglichen Planungen mit einem dreistöckigen gestaffeltem Glasaufsatz gefunden wurden, die in den Zeiten der Weltwirtschaftskrise wohl aus Geldmangel nicht ausgeführt wurden. So war letztendlich auch der Landeskonservator überaus zufrieden mit der Aufstockung.

Im früheren siebten Obergeschoss residierte vierzig Jahre lang das Architekturbüro von Hans Scharoun und Edgar Wisniewski, die von hier das Baugeschehen um ihre Bauwerke Philharmonie, Staatsbibliothek und Kammermusiksaal direkt vor Augen hatten.

Im neuen Obergeschoss residiert nun die »40 Seconds Lounge«, Berlins exklusiver neuer Club, in dem sich von der Betreiberin Jennifer Michaels handverlesene Gäste treffen, die von sich selbst meinen, die crème de la crème zu sein.

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