Neues Rathaus in Cottbus

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Das Neue Rathaus von Cottbus ist sowohl von seiner Größe als auch von seinem Baustil ein ziemlich aus dem Stadtbild herausfallender Bau. Mit den glatten Außenflächen aus hellem, rotgelben Ziegelstein und den bündig abschließenden Fenstern scheint es ganz im Stil der Neuen Sachlichkeit der 20er Jahre des letzten Jahrhunderts gebaut zu sein. Auf den zweiten Blick fallen jedoch Stilelemente ins Auge, die so gar nicht dazu passen wollen, wie der Arkadengang mit Rundbögen an der Berliner Straße, das mit Steinmetzarbeiten geschmückte Portal des heutigen Haupteingangs am Neumarkt und der verspielte Erker an der Nordwest-Ecke.

Auf einem der Portale liest man dann die Jahreszahl 1935 und es wird schnell klar, dass der Baustil des Nationalsozialismus hier die unpassend erscheinenden Elemente eingebracht haben muss. Aber dafür ist der Bau dann eigentlich doch wieder zu sachlich. Das Rätsel klärt sich, wenn man etwas über die Baugeschichte erfährt: Das Rathaus wurde von 1934 bis 1937 ursprünglich mit nur drei und entlang der Berliner Straße mit vier Etagen errichtet, trug ein hohes Satteldach und hohe Giebel, und über seinem damaligen Haupteingang stand eine mächtige Rolandfigur. Es entsprach damit weitgehend der Bauauffassung der damals vorherrschenden Ideologie. Den Entwurf lieferte das städtische Bauamt. Leider habe ich kein entsprechendes Bild, das ich hier veröffentlichen könnte, gefunden.

Erst in den späten 60er Jahren wurde das Rathaus auf einheitlich fünf Geschosse aufgestockt und erhielt ein Flachdach, was den Charakter des Baus viel mehr in die Stilrichtung der Neuen Sachlichkeit veränderte. Was ihm gut tut, finde ich.

Das Rathaus hat einen nahezu quadratischen Grundriss, wobei zwei Fronten gerade sind, die beiden anderen überraschenderweise leicht gewölbt: die westliche an der Mauerstraße konvex und die südliche an der Marktstraße konkav. Das eröffnet – gerade an der Ecke, an der die beiden geschwungenen Fronten aufeinander stoßen – durchaus ungewöhnliche Perspektiven.

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Warum die Fronten diese Wölbung haben – folgte der Architekt dem Straßenverlauf oder hat er dieses Stilmittel gezielt eingesetzt? – ließ sich nicht in Erfahrung bringen. Überhaupt habe ich im Web so gut wie nichts über das Neue Rathaus und seine Geschichte gefunden, erst eine E-Mail an den Heimatverein brachte den Hinweis auf ein Buch zur Denkmaltopografie der Stadt Cottbus, aus dem mir eine liebe Mitqyperin den entsprechenden Abschnitt ablichtete (danke an beide!).

Hinter dem Rathaus steht auch das Denkmal für den Postkutscher, der Cottbus mit dem Zungenbrecher »Der Cottbuser Postkutscher putzt den Cottbuser Postkutschkasten« in aller Munde brachte. Und was dem Berliner sein Bär ist, ist dem Cottbuser sein Krebs: das Wappentier haben die Cottbuser seit dem 14. Jahrhundert in ihrem Stadtsiegel, und es ziert, in dunklen Ziegeln ausgeführt, zwei Gebäudekanten des Rathauses.


Neumarkt 5, 03046 Cottbus
0355 6120

Eintrag in der Denkmaldatenbank

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