Totentanz Wolgast

Der Totentanz in der Wolgaster Sankt-Petri-Kirche gehört zweifellos zu den ganz besonderen Schätzen des Gotteshauses. Die Folge von ursprünglich 24 Bildern, die sich mit dem im Mittelalter durch Pest und Kriege allgegenwärtigen Thema des Todes auseinandersetzt, gehört zu den wenigen erhaltenen monumentalen Totentänzen. Eines der Bilder, das den auferstandenen Christus als Sieger über den Tod zeigt, ist 1920 beim Brand der Kirche abhanden gekommen.

Die Bilder stammen von dem Wolgaster Reeder Caspar Siegmund Köppe und entstanden um 1700. Köppe soll die Bilder gemalt haben, nachdem er Frau und Kinder durch eine Epidemie verloren hatte. Er lehnte sich an Vorlagen des Renaissancemalers Hans Holbein d.J. an. Ursprünglich waren die Bilder in der Gertrudenkapelle zu Hause, von wo aus sie – nach einer Zwischenstation in St. Jürgen – um 1900 in die Petrikirche gelangten.

Dem König nit hilft seine Gwalt, // Er muß mit dran gleicher Gestalt.

Die zweizeiligen Verse über den Bildern, die gemäß einer Informationsschrift der Kirchengemeinde von Adrian Dietrich Bentschneider stammen, versuchen auf humorvolle Weise den Gang der Dinge zu veranschaulichen. Ob König, Kind, Rechtsgelehrter, Greis, Arzt – vor dem Tod ist keiner sicher. Einige Beispiele:

Mit Pauk und Trompetenschall
Der Tod sich anmeldt ueberall.

Kein Herr und Ritterlicher Mann
Dem Tod was angewinnen kann.

Kein Weibsbild ist so hoch geboren
Es muß mit dran, taets ihr gleich zorn.

Der Adel sich nur straeube nicht,
Der Tod ihm doch das Herz ansticht.

Der Diener Gottes an dem Wort,
Wanns Glas ist aus, muß auch mit fort.

Der Rath, Richter, Jurist geschwind,
Ohne Appelieren zum Tanz sich find.

Den Tod der Arzt oft will vertreiben,
Und muß ihm selbst in Händen bleiben.


Kirche St. Petri

Am Kirchplatz 7, 17438 Wolgast
kirche-wolgast.de

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3 Antworten auf „Totentanz Wolgast“

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