Sparkasse Wolgast

Eines seiner letzen Bauwerke realisierte der Architekt Hans Poelzig 1931–1932 in Wolgast für die Sparkasse des Kreises Greifswald. Poelzig, der mit seinem Schaffen maßgebliche Beiträge zur expressionistischen Architektur und zur Neuen Sachlichkeit lieferte, stellte einen modernen Bau auf den historischen Marktplatz – mitten zwischen die barocke Architektur, die das Stadtbild der früheren Hansestadt prägt.

Für viele ist dieser Solitär des Neuen Bauens sicherlich bis heute ein Grund, sich über die vermeintliche Geschmacksverirrung aufzuregen – ich finde aber, dass das Gebäude der früheren Sparkasse Wolgast mit seiner klaren Formensprache durchaus an diesen Platz passt und Poelzig das Gewicht seines Baus perfekt auf die Umgebung abgestimmt hat.

Handzeichnung Hans Poelzig
Sparkasse Wolgast; Ausführungsprojekt, perspektivische Ansicht, Handzeichnung: Kohle auf Transparent; Architekturmuseum TU Berlin, Inv. Nr. 5027 (Farbstellung bearbeitet)

Und so, wie Poelzig den Bau vor mehr als 80 Jahren gezeichnet hat, steht er heute noch am Rathausplatz steht.

Sparkasse Wolgast

Das Gebäude diente auch heute noch seinem ursprünglichen Zweck und beherbergt seit 1990 eine Zweigstelle der Deutschen Bank.

Poelzig hat nicht nur das Gebäude entworfen, sondern auch die Inneneinrichtung bis hin zu einzelnen Möbelstücken wie Garderobenständer, Stühle, Schreibtische, Einbauschränke, Wandpulte für Telefone. Leider ist mir nicht bekannt, ob Teile der Innenausstattung die Zeitläufte überdauert haben, beim nächsten Besuch in Wolgast werde ich das Innere der Bank inspizieren, sollte sie dann geöffnet sein.

Sparkasse Wolgast: Stuhl im Kassenraum
Sparkasse Wolgast; Ausführungsprojekt, Stuhl im Kassenraum, Ansicht, Aufsicht 1:10, Handzeichnung: Bleistift auf Transparent; Architekturmuseum TU Berlin, Inv. Nr. 5039 (Ausschnitt)

Alle Entwurfspläne sind online im Architekturmuseum der TU Berlin einsehbar, an der Poelzig einen Lehrstuhl für Architektur inne hatte.

Nachtrag Oktober 2018

Nach einer Meldung der Ostseezeitung hat die Deutsche Bank diese Filiale in Wolgast im März 2017 geschlossen und unterhält dort lediglich noch einen Selbstbedienungsbereich und eine „Finanzagentur“.


Deutsche Bank

Rathausplatz 2, 17438 Wolgast
03836 232300
deutsche-bank.de

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5 Antworten auf „Sparkasse Wolgast“

  1. Moinsen!

    Ich bin Ihnen sehr dankbar, dass Sie diesen Beitrag mit Foto gepostet haben. Das Gebäude der Sparkasse, heute Deutsche Bank, ist mir sehr wohl bekannt. Ich hielt es bisher für einen Nachwendebau, so modern wirkt das Backsteingebäude. Dennoch gefällt es mir an diesem historischen Ort.

    Wie überrascht bin ich nun, dass dieses Gebäude von Hans Poelzig stammt, einem von mir geschätzten Architekten, der das bekannte Kino Babylon gleich bei mir um die Ecke (Münzstraße) hinterlassen hat. Auf der Recherche nach weiteren ausgeführten Bauwerken von Poelzig bin ich auf Ihren Blogartikel gestoßen. Darüber werde ich mich nach meinem nächsten Besuch in Wolgast auslassen, wenn ich ein passendes Foto gemacht habe und diesen Text gleich mit verlinken. Vielleicht finde ich ja etwas über die erwähnte Inneneinrichtung heraus.

    Beste Grüße!
    Alex Zander

  2. Vielen Dank für diesen Blogbeitrag! Ich bin in Wolgast geboren und habe in dieser Bank (damals Kreisfiliale der Staatsbank der DDR) ein praktisches Jahr absolviert. Damals war noch viel altes vorhanden – heute ist es moderner, aber im Grundsatz ist die Struktur des Schalters noch vorhanden, jedenfalls war es vor ein paar Jahren noch so.

    Damals sagte man mir, man hätte es früher das “Papageienhaus” genannt, weil jeder Raum in einer anderen Farbe gestrichen war. Das gabs zu meiner Zeit schon nicht mehr, aber ein bisschen von der Inneneinrichtung, Schalteraufbau, Kasse, Tresore…

    Ich werd auch mal wieder reinschauen… Und etwas mehr über Poelzig lesen.

    Beste Grüße aus Berlin
    Cordula

    1. Danke fürs Lesen. Zum Anschauen: Ein weniger bekanntes Industriebauwerk von Poelzig steht in Spandau, das Havelwerk. Zum Lesen: Die Doktorarbeit von Hans-Stefan Bolz “Hans Poelzig und der »neuzeitliche Fabrikbau«, Industriebauten 1906-1934” (Online bei der Uni Bonn).

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