WeinSensorium

WeinSensorium

Vor der Veranstaltung (25. Oktober bis 2. November 2008) schrieb ich: Derzeit wird auf der großen, geteerten Brache an der Südseite des Hauptbahnhofs, die den Namen Washingtonplatz trägt, ein Zelt aufgebaut. Ein großes Fass, das mir irgendwie deplaziert vorkommt, wird als Eingang zu diesem Zelt dienen, im dem ab dem 24. Oktober eine Veranstaltung namens “WeinSensorium” (ja, in Deppendeutsch mit großem Binnen-S) stattfinden wird.

Eigentlich finde ich es ja schon interessant, aber das Ankündigungsplakat, auf dem eine junge Dame lasziv die rote Zunge zwischen schwarzer und goldener Lippe herausstreckt, finde ich schon mal ziemlich dämlich und eher abschreckend. Bei “Weinerlebnisparcours” werde ich auch eher skeptisch und vermutlich wird es hier auch volksfestmäßig voll, so dass man nicht in Ruhe probieren kann. Vielleicht kann man die Weine auch gar nicht probieren, sondern nur “sich ein Bild machen”.

Es war ganz anders, als ich befürchtet hatte, eigentlich sogar ganz nett. Ich war nachmittags da und der Andrang hielt sich in Grenzen.

Rein kommt man in der Tat durch das dicke Fass, in dem – wie eigenartig – zwölf Flugzeugsessel (das ist der Sponsoring-Beitrag der Lufthansa?) stehen, in die man platziert wird. Da wird schon mal der Besucherandrang auf Grüppchen von zwölf aufgeteilt, das ist lobenswert. Zuvor bekommt man draußen auf dem Washingtonplatz ein gelbes Billet, das – wie der nette junge Mann in Flugkapitänsuniform erklärt – zum Empfang eines kostenlosen Weins in “unserer Lounge” berechtigt.

Aus dem Flugzeug steigt man nach ein paar einführenden Worten des Kapitäns in den roten Salon, dort darf man einen sächsischen Riesling Spätlese trocken – »Radebeuler Goldenen Wagen« vom Schloss Wackerbarth – probieren. Schon mal gar nicht schlecht.

Danach geht man durch eine kleine Ausstellung, die über die verschiedenen in Deutschland angebauten Rebsorten, die Anbaugebiete, den Boden, das Klima usw. informiert, das aber recht gefällig, man muss keinen meterlangen Texte konsumieren. Pfiffig fand ich die Idee, die verschiedenen Gesteinsarten, auf dem bestimmte Rebsorten gerne wachsen, in Ständern zu präsentieren, an denen Tüten zum Abfüllen hängen: Ein Teil des Terroirs zum Mitnehmen – das passende Wetter dazu gab’s leider nicht zum Einpacken.

WeinSensorium
Dreizehn Weine stehen zum Probieren bereit

Den größten Teil nimmt dann die schon erwähnte Lounge ein, an deren Theke man das Billet gegen ein Glas Wein tauschen kann und weitere Gewächse – dreizehn sind im Angebot, aus jedem der deutschen Anbaugebiete einer – für einen milden Preis von 1€ für das 0,1er Glas erwerben kann. Ich nahm hier einen Silvaner aus Franken, der sehr gut und typisch war.

Angenehm, dass man nicht wie früher in der Weinstraße der Grünen Woche von wegelagernden Verkäufern überfallen wird, die einem gleich eine Bestellung von ein paar Kartons Wein aufzwingen wollen.


Vor dem Hauptbahnhof, Washingtonplatz 7, 10557 Berlin
http://www.deutscheweine.de
25. Oktober 2008 12:00 bis Sonntag, 02. November 2008 22:00

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2 Antworten auf „WeinSensorium“

  1. Man glaubt es kaum, was man mit seinen Beiträgen alles finanzieren muss ! ?
    Hier tröstet nicht einmal mehr der Glaube, dass ästhetisches Verständnis seine Zeit braucht.

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