Die Grillagetorte

Etwas, das ich aus meiner Kinder- und Jugendzeit kenne und das mich mit dem Niederrhein dauerhaft verbindet, ist die Grillagetorte (französisch ausgesprochen: Grillasch). Eine Torte, die unsere Familie früher bei der schon lange nicht mehr existierenden Konditorei Albertz kaufte und die meine Mutter dann später selber zubereitete.

Ein Stück Grillagetorte (© Alice Wiegand / CC-BY-SA-3.0 (via Wikimedia Commons))

Seltsam finde ich immer, dass, wo auch immer außerhalb des Niederrheins ich diese Torte mit ihrem Namen erwähne, ich regelmäßig auf Unverständnis stoße. Niemand scheint sie zu kennen, und das, obwohl sie doch ganz wunderbar schmeckt.

Dem Sprachfoscher Peter Honnen muss es wohl genauso ergangen sein, denn er ging 1997 mit der Frage „Gibt es in Ihrem Ort (im Dialekt oder in der Umgangssprache) die Bezeichnung »Grillaschtorte«?” auf die Suche nach den Grenzen des Verbreitungsgebiets dieser Köstlichkeit. Und er kam dabei zu dem überraschenden Ergebnis, dass die Grillagetorte das Rheinland spaltet: Südlich einer Linie, die ungefähr von Aachen nach Remscheid verläuft, ist die Torte völlig unbekannt. Die Resultate seiner Forschungen findet man in voller Länge im Artikel „Volkskultur an Rhein und Maas, Beiträge zur Sprache“, Jg. 17, 1998, H. 1-2, Seite 57-61, den man bei rettet-die-grillagetorte.de auch online lesen kann und sollte – interessant und durchaus unterhaltsam.

Nun fragt man sich zu recht, was sie denn nun genau ist, diese Grillagetorte. Sie ist eine Schichttorte, bestehend aus zwei Böden aus gebackenem Eischnee (Baiser oder auch Meringe), zwischen die Sahneschichten mit abwechselnd Schokoraspeln und Haselnuss gegeben wird und die anschließend gefroren wird. Sie kommt auch kalt, am besten 10 bis 15 Minuten angetaut, auf die sonntägliche Kaffeetafel. Das ist zumindest die Variante, die ich kenne, es gibt bestimmt noch viele andere.

Rezept Grillagetorte
Rezept aus Mutters Kochbuch

Dass diesem Rezept die Ingredienz fehlt, die der Torte sehr wahrscheinlich den Namen gab, nämlich die Grillage, ein im Österreichischen gebräuchliches Wort für Krokant, tut dem Geschmack jedenfalls keinen Abbruch.

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44 Antworten auf „Die Grillagetorte“

    1. Die Grillagetorte ist wohl auch eher vom linken Niederrhein und hat es nicht bis Duisburg gemacht. Es ist ja gerade das Verrückte, dass das Verbreitungsgebiet dieser Torte so eng umzirkelt ist.

      In Wien soll es übrigens auch eine Torte mit dem Namen Grillagetorte geben, jedenfalls habe ich Rezepte dafür auf österreichischen Websites gefunden, allerdings scheint sie mir ziemlich vom niederrheinischen Rezept abzuweichen.

  1. Man bekommt sie am “linken” Niederrhein inzwischen seltener, wohl auf Bestellung. In Wien gibt es sie in der Tat auch, ein wenig anders aber mit dem gleichen Namen.
    In Duisburg bekommt man sie so weit ich weiß bei Dobbelstein und Heinemann. Man muss danach fragen, weil sie kühl stehen muss.

  2. Jetzt bin ich baff! Noch nie was von einer Grillagetorte gehört. Und ‘Grillage’ selbst kenn ich auch nur umgangssprachlich für Grillparty. Sehr mysteriös!
    Aber lecker sieht die Torte aus! Zum anbeissen!

  3. Sehr interessant die Sprachforschung. Ich dachte erst, Du veralberst uns hier – so ernsthaft, wie Du Dich damit auseinandersetzt. Oder ist der 21. Juni gar am Niederrhein das, was im restlichen Deutschland der 1. April ist??

  4. Schade, dass es sie hier in Neuwied nicht gibt, stosse immer wieder auf unverstaendliches Kopfschuetteln! Deswegen fahre ich doch immer wieder gerne in meine Heimat, um diese wundervolle Torte zu geniessen 🙂

  5. Toll! Ich werd das ganze Gefrierfach ausräumen müssen, damit sie reinpasst, aber das ist es wert: Das muss ich probieren. Schon der Name ist toll.

  6. Ich kenn sie,die Grillagetorte!Die gabs bei uns in Krefeld an jedem besonderem Tag!Ich hab selten etwas besseres gegessen!Einmalig!
    Hab im Internet schon nach vielen Rezepten gesucht,aber dieses scheint mir annähernd hinzukommen und ich werds antesten!
    Vielen Dank

  7. Hallo V.!
    Nett Dein Einsatz gegen das Vergessen der “Grillaschtorte”. So war, glaube ich, damals die Schreibweise des Konditors in Bocholt, das ist im Westmünsterland. Bei uns gabs die regelmäßig zu besonderen Anlässen, ein bis zweimal im Jahr! Wenn ich nur wüsste, wo man hier in der Gegend eine bekommt, selber machen scheint mir sehr aufwändig.

  8. Auch ich bin im Rheinland aufgewachsen und lebe wieder dort. Ich bin mit 5 Geschwistern aufgewachsen. Mehr oder weniger hatten wir alle schulische Schwierigkeiten. Der gute Geist in unserem Haus war, neben unseren Eltern, Tante Cilly. Tante Cilly machte, obwohl nicht sehr begütert, eines Tages ein für uns lukratives Versprechen: Wenn es euch gelingt, dass eines Ostern keines von euch Kindern sitzen bleibt, stifte ich eine Grillagetorte. Die war damals von Cafe Wolschke. Meine Sehnsucht nach diesem Leckerbissen ist immer noch sehr groß. Verständlich, denn Tante Cilly musste während meiner Schulzeit nur einmal ihr Versprechen einlösen!

  9. Oh, oh, die Grillagetorte. Was fanden wir uns doch damals, vor 30 – 40 Jahren so mondän, wenn meine Schwestern und ich zu hohen Feiertagen so ein Stück Torte bekamen. Bis zum Tage meiner Hochzeit war ich eine große Freundin, ja Verehrerin dieser Torte. Meine Mutter hatte es sich jedoch in den Kopf gesetzt, eine Grillagetorte bei meiner Heirat zu kredenzen. Die musste von Mönchengladbach-Rheydt nach Burscheid transportiert werden. An einem warmen Tag im Mai. Den Rest darf sich Jeder in den schillerndesten Farben ausmalen. Wenn ich heute Grillagetorte höre, dann wird mir ganz anders. Meine Mutter backt sie übrigens immer noch.

  10. Besser spät als nie, aber mit abschlägiger Antwort – meine Mutter macht die Torte uss de Lamäng und kann mir nicht sagen, wie sie sie zubereitet. Ich müsste mal zuschauen, wenn sie sie herstellt – sie macht sie immer noch, andauernd, ständig, aber da ich nicht umme Ecke wohne, ist das schwierig. Schade eigentlich, ich sollte das mal nach oben auf die Prioritätenliste setzen.

    1. Aus Großmutters Kochbuch stammt es nicht, aber aus dem meiner Mutter. Von meinem Vater liebevoll auf der Schreibmaschine ins Reine getippt. Definitiv ist es nicht von “Rettet die Grillagetorte” geklaut, wie du, Heinz, es in deinem Kommentar zu unterstellen scheinst.

    2. Sorry, ich wollte die nichts unterstellen. Da muss mich mein Gedächtnis arg getäuscht haben. Bitte betrachte meine obige Aussage als falsch. Ich hätte vorher besser recherchieren sollen. Dafür möchte ich mich entschuldigen!

  11. Ich werde eine Grillagetorte nach deinem Rezept nach backen. Meine bessere Hälfte ist ein großer Fan dieser Torte. Ich hab schon 3 verschiedene Varianten dieser Torte gemacht aber keine kommt an die DIESE Grillage aus der Erinnerungen meines Mannes ran. Mal sehen wies es mit dieser Variante ist. 🙂

  12. Hallo, wie versprochen mein Feedback zu deinem Rezept. 🙂 Deine Torte kommt der Erinnerungsgrillage schon sehr sehr sehr nah dran.Heute kommt wieder ne Variante..es geht nicht um das Rezept als Ganzes sondern nur doch Detailveränderungen. Also diesmal ist nur ein Baiserboden drin uns zwar nur der in der Mitte….also erst Sahne, dann Baiser, dann wieder Sahne. Wir arbeiten sozusagen weiter dran. 😉 Vielen Dank an deine Mama für´s Rezept und an deinen Papa der das so liebevoll abgetippt hat. 🙂 Und viele Grüße von uns, an dich, aus dem Münsterland.

  13. Grillagetorte war mein Favorit als Kind. Soweit ich mich erinnere, waren die Baiserböden mit einer dünnen Schokoschicht bestrichen. Wir haben damals die Torte immer bei der Bäckerei Exo in Isselburg bestellt.

  14. Grillagetorte früher Cafe Kaiser in Krefeld. ein voller Genuß, den ich heute sehr vermisse. Aber ich habe sie nachempfunden und sie schmeckt.

  15. Ich kenne die Torte aus meinen Kindertagen. Die gab es nur bei einem Bäcker in Gelsenkirchen. In den heutigen Bäckereien noch nicht entdeckt… 🙁 Ich werde sie auf jeden Fall in den nächsten Wochen mal ausprobieren.
    Die 6 Eiweiße sind aber für beide Böden, oder?

  16. Die beste Grillage-Torte ist immer die selbst gemachte! Der hiesige Bäcker, der die konnte, hat zu und das Rezept kennt niemand mehr – leider. Habe heute jedoch im WDR 2 Herrn Grote gehört, der ein Rezept mit selbstgemachtem Mandelkrokant vorgestellt hat . Das hört sich gut an, Herr Grote! Ich werde es testen!

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