Ketwurst

 

Die Ketwurst ist eine Wurst, die man eigentlich nur in Berlin kennt, und dort auch nur im Ostteil der Stadt. Sie ist nämlich eine Erfindung des Rationalisierungs- und Forschungszentrums Gaststätten der DDR aus dem Jahre 1978. Die Bezeichnung Ketwurst ist ein Kunstwort aus Ketchup und Wurst und beschreibt damit auch schon im Wesentlichen das Produkt: Eine gesiedete spezielle Bockwurst (vom Ostberliner Fleischermeister) wird in Ketchup (natürlich nach Geheimrezept) getaucht und in ein weiches Brötchen (vom Ostberliner Bäckermeister) gesteckt, das zuvor auf einem heißen Metallzylinder erwärmt wurde. Im neuen Jahrtausend feierte die Wurst ihre Wiederauferstehung und ist inzwischen markenrechtlich als Original Ketwurst geschützt. Sie kann an mehreren Verkaufsstellen im Osten Berlins erworben werden, darunter auch im belebten U-Bahnhof Friedrichstraße im Übergang von der U6 zur Fern- und S-Bahn.

Dort verkauft ein freundlicher junger Mann, der so ganz nebenbei auch noch als Auskunftei für die vielen Touristen dient, die hier vorbeikommen, am Tag wohl Hunderte von Ketwürsten, aber auch Hot Dogs (für die unwissenden Wessis und Touris), die natürlich nicht mit Ketwurst verwechselt werden dürfen, auch wenn die Ketwurst als sozialistische Antwort auf den imperialistischen Hot Dog erfunden wurde. Für den gelungenen Coup des Überholens ohne Einzuholen wurde sie auf der Messe der Meister von Morgen ausgezeichnet. In bester Beamtenprosa erhielten die Erfinder den Preis als Anerkennung für ausgezeichnete Leistungen für das Exponat Versorgungslösung Ket-Wurst.

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Video-Link: http://www.youtube.com/watch?v=22f0bshb1O0

So haben wir (Gesamt-)Berliner nun endlich eine Wurst, die uns die Hamburger (die in der DDR übrigens Grilletta hießen) nicht streitig machen können.


Ketwurststand im U-Bhf Friedrichstraße
Friedrichstraße 95 , 10117 Berlin

0160 91804196‎
www.ketwurst.com
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20 Antworten auf „Ketwurst“

  1. Wir hießen in der DDR Grilleta?
    Da bin ich aber doch ein wenig verdutzt, lieber Vilmos.
    Die westdeutsche Antwort auf den Trabant ist übrigens das Ketcar gewesen, zusammengesetzt aus Ketchup und Auto auf englisch. War ähnlich langsam, aber umweltfreundlicher.

  2. Bratwurst sollte in jedem Fall mindestens einmal gewendet werden. Vorwendewurst also lieber mit Vorsicht genießen sofern man keinen Komodowaranmagen hat.

  3. Ich dachte immer der Name kommt von Kettenwurst.
    Selbst ein hotdog in Leominster (USA) mit Kraut und Zubereitungszeremonie hat irgendwie “deutsche Wurzeln”.

  4. da werd`ick doch oooch mal nach der ketwurst gucken und dann ausführlich berichten.kann mich noch an die stände in berlin an den RATHAUS PASSAGEN errinnern.

  5. Die Currywurst war schneller, und zwar seit 1949. Sie ist von Anfang an die Berliner Wurst für alle Berliner.
    Die Ketwurst wurde ausschließlich als sozialistische ‘Versorgungslösung’ für das Arbeiter- und Bauernparadies konstruiert, ja, so hieß das damals. Und wer hat’s erfunden? Die Täterä!
    Dann lasst mal die Schwaben vom Prenzlauer Berg weiter denken dass sie da ein Berliner Original konsumieren.

  6. In Stuttgart wurde seit jeher das, was du als Ketwurst beschreibst, als Hot Dog verkauft und damit bin ich aufgewachsen. Wie entsetzt war ich, als ich dann den Boom der US-dänischen Variante im aufgeklappten Weichbrötchen mit allerlei Schnickschnack erleben musste! Als ich dann den ersten Ketwurst-Stand am U-Bahnhof Schönhauser Allee entdeckte, war meine Welt wieder in Ordnung. Mit dem Stand in der Friedrichstr. habe ich leider eine sehr schlechte Erfahrung gemacht. Die Wurst schmeckte so fürchterlich, dass ich sie nach ein paar Bissen wegwerfen musste. Ich weiß nicht, ob sie schon schlecht geworden war oder was der Grund gewesen sein könnte. Das Risiko eines weiteren Versuchs möchte ich nicht eingehen.

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