Drunter und Drüber

Im Rahmen der Fertigstellung des Berliner Hauptbahnhofs hat die Bahn seinerzeit auch den sogenannten Flyover über die Perleberger Brücke gebaut (flyover: “an intersection of two roads at which one is carried over the other by a bridge” erklärt Collins English Dictionary – Complete and Unabridged, 12th Edition 2014 © HarperCollins Publishers). Darüber klimmen die Züge aus dem Tiefkeller des Hauptbahnhofs (“Hbf tief”) gleich mehrere Etagen in die erste Etage empor. Über die Perleberger Brücke und den Berlin-Spandauer Schifffahrtskanal kommen sie auf die Höhe des nördlichen S-Bahn-Rings, um dort parallel zu den S-Bahn-Gleisen zum Bahnhof Gesundbrunnen zu fahren.

Eine Stabbogenbrücke über die Perleberger Brücke steht seit Ende 2014 und die Strecke von hier bis zum Hauptbahnhof mit Spannbetonbrücke, Rampenbauwerk und Tunnelzufahrt ist 2017 fertig geworden.

Zu diesem sowieso schon großen Drunter und Drüber gesellt sich derzeit eine weitere Brücke. Diese Brücke soll dereinst die neue S-Bahn-Linie S21 vom Hauptbahnhof (Vielleicht später auch vom Potsdamer Platz? Oder gar vom Südkreuz?) auf den Nordring bringen. Auch hier kommen die Züge aus dem Keller im Hauptbahnhof, um sich ähnlich dem Flyover über die Perleberger Brücke zu schwingen. Dann aber geht es wieder runter: über den Kanal und durch einen Doppelpfeiler des Flyovers unter demselben her schlängelt sich die neue Brücke in einen bereits gebauten Tunnel Richtung Osten. Weil der Tunnelmund auf Straßenniveau liegt, wird der Tegeler Weg unterbrochen und nicht mehr für den Durchgangsverkehr zur Verfügung stehen. Stattdessen soll der Verkehr über die wiederertüchtigte Straße Nordufer laufen.

Natürlich gibt es auch bei der Senatsverwaltung für Verkehr Informationen zur neuen Strecke und zum Fortgang der Bauarbeiten. Moabit Online berichtet seit 2012 über den Bau der S21. Eine detaillierte fotografische Dokumentation des gesamten ersten Bauabschnitts findet sich auf der Website baustellen-doku.info.

Drunter und Drüber
3D-Ansicht aus Apple Maps

Eigentlich sollte der Betrieb der S21 schon 2017 aufgenommen werden, wir werden aber wohl noch mindestens bis 2020 warten müssen. Und das dann auch nur mit einem provisorischen S-Bahnhof am Berliner Hauptbahnhof, auf dem nur Züge mit vier Wagen halten können. Der endgültige Bahnhof wird nicht vor 2026 fertiggestellt werden können (siehe dazu auch die Artikel im Tagesspiegel: Noch mehr Probleme beim S21-Bau und Tauchbagger im Einsatz). Ein Teil der Probleme, die zu den Bauverzögerungen führen, ist auf “ungenügende Bauvorleistungen” zurückzuführen. Ein Grund dafür war die Eile, die der damalige Bahnchef Hartmut Mehdorn vorgab: Der Hauptbahnhof musste unbedingt zur Fußball-WM 2006 fertig werden.

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