Jan-Palach-Denkmal in Prag

Ein klei­ner Beitrag zu Frau Tona­ris Rost-Parade. Dies­mal aus Prag und mit mehr Tief­gang als üblich. Die beiden mehr als fünf Meter hohen Skulp­tu­ren mit den jeweils 49 Spit­zen sind ein Denk­mal für Jan Palach, den Studen­ten der nahe­ge­le­ge­nen Prager Philo­so­phi­schen Fakul­tät, der sich 1969 aus Protest gegen die Nieder­schla­gung des Prager Früh­lings und gegen das Diktat der Sowjet­union selbst verbrannte.

Das Kunst­werk ist ein Entwurf des US-ameri­ka­ni­schen Archi­tek­ten John Hejduk. Er gab den beiden Skulp­tu­ren die Namen The House of the Suicide und The House of the Mother of the Suicide. Eine Gedenk­ta­fel mit dem Gedicht The Fune­ral of Jan Palach des ameri­ka­ni­schen Schrift­stel­lers David Shapiro ergänzt die Instal­la­tion.

When I ente­red the first medi­ta­tion
I escaped the gravity of the object,
I expe­ri­en­ced the empti­ness,
And I have been dead a long time.

When I had a voice you could call a voice,
My mother wept to me:
My son, my beloved son,
I never thought this possi­ble

I’ll follow you on foot.
Half­way in mud and slush the micro­pho­nes picked up.
It was raining on the houses;
It was snowing on the police-cars.

The astro­nauts were weeping,
Going neit­her up nor out.
And my own mother was brave enough she looked
And it was alright I was dead.

Es war dieses Gedicht seines Freun­des Shapiro, das Hejduk in den 1980er Jahren inspi­rierte, die beiden Skulp­tu­ren zu konzi­pie­ren. Eine erste Version erschu­fen Studen­ten des Geor­gia Insti­tute of Tech­no­logy in Atlanta 1986. Eine zweite Version – eben­falls aus Holz – instal­lierte Hejduk 1991 anläss­lich einer Ausstel­lung seiner Werke auf Einla­dung von Václav Havel im Garten des Prager Schlos­ses. Gegen Ende des letz­ten Jahr­hun­derts waren die hölzer­nen Skulp­tu­ren jedoch in so schlech­tem Zustand, dass sie entfernt wurden. Es sollte noch andert­halb Jahr­zehnte dauern, bis Hejduks Projekt eine dauer­hafte Reali­sie­rung erfuhr. Im Januar 2016 wurden die Skulp­tu­ren – dies­mal aus CorTen-Stahl und Edel­stahl gefer­tigt – an der Alšovo-Prome­nade in dem klei­nen, Jan Palach gewid­me­ten Park vor der Kunst­ge­wer­be­schule aufge­stellt.


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