Grönlandreise Tag 2 bis 4 (Samstag 27. bis Montag 29. Juli) – Von Spitzbergen nach Grönland

An wirklichen Schlaf war nach der Ankunft um halb sechs morgens kaum zu denken, die Sonne schien, es war warm, und das Schiff sollte auch bald ablegen. Das dauerte allerdings noch bis Mittag, hatten doch – wie wir erst später erfuhren – fünf Passagiere ihren Koffer nicht bekommen und mussten sich in Longyearbyen neu einkleiden. Immerhin gibt es, so berichtete ein Betroffener, drei Geschäfte mit Outdoorkleidung – erstaunlich für einen Ort mit rund 2000 Einwohnern.

Nachdem wir Svalbard und den Isfjord schon ein paar Stunden verlassen hatten, gab es auch die ersten Sichtungen von Walen, allerdings nicht in so großer Zahl, wie es die begeisterten Ankündigungen der Meeresbiologin aus dem Expeditionsteam erhoffen ließen. Das Wetter war eher grau und bedeckt, oft neblig, gelegentlich auch ein wenig feucht und ohne Sonnenschein auch kalt. Viel zu sehen gab es nicht, so dass wir die Erholungsangebote an Bord nutzten: die große Sauna mit Panoramablick aufs Meer, die Whirlpools und den „Infinitypool“ an Deck 11. Den unendlichen Blick aufs Meer gab es an den Seetagen nicht, bei etwas Seegang wurde der Pool zum Wellenbad.

Grönland in Sicht

Am letzten der drei Seetage gab es dann wieder mehr zu sehen als nur Wasser und Nebel. Schon am frühen Morgen fuhren wir durchs Treibeis. Kaum drei Stunden später klarte es ein wenig auf und es erschienen die ersten Konturen von Grönlands Küste am Horizont, meist eingerahmt von dunklen Wolken und ihrer Spiegelung im Wasser.

Bald tauchten auch die ersten Eisberge auf, und je näher wir Grönland kamen, desto freundlicher wurde das Wetter.

Grönlands Ostküste

Nach den Seetagen waren wir endlich an Grönlands Ostküste angelangt und hatten gegen 19:30 Uhr unseren Ankerplatz in Myggbukta (Mückenbucht) erreicht, dem Ausflugsziel des nächsten Tages. Nicht dass das Schiff seinen Anker geworfen hätte, nein, auf der Brücke drückt man auf einen Knopf, und das Schiff hält selbständig seine Position mit einem System zur Dynamischen Positionierung.

Von dort aus sollten wir uns die nächsten fünf Tage langsam nach Süden in die weltgrößten Fjordsysteme (Kaiser-Franz-Joseph-Fjord, Kong-Oscars-Fjord, Scoresby Sund) bewegen.

Details der Route in grönländischen Gewässern (Karte von OpenStreetMap, Route mit Positionen und Uhrzeiten von der Aufzeichnung der Panoramakamera der MS Roald Amundsen)
Bordprogramm

Am Samstag fand nach der verpflichteten Sicherheitseinweisung die Ausgabe der Expeditionsjacken statt – rot mit grellgelber Kapuze. Am Nachmittag konnte man sich im Science Center umsehen, später fand das Captain’s Welcome statt, an dem die Führungsriege der Schiffsbesatzung und die Mitglieder des Expeditionsteams vorgestellt wurden.

Sonntags stand im Zeichen der Vorbereitungen für das Ausbooten und die Landgänge, man ging zur Stiefelanprobe, um die passende Größe zu ermitteln, und später zur Ausgabe der Gummistiefel. Außerdem gab es eine verpflichtete Einführung in die Richtlinien für Besucher (PDF) der arktischen Gefilde, die sich die Association of Arctic Expedition Cruise Operators (AECO) gegeben hat.

Am Montag besuchte ich zwischen den Aufenthalten an Deck einige Vorträge über Wale, Delphine und Citizen Science, über Grönlands Geschichte (das war der interessanteste) und über Vögel. Die ab nun obligatorischen „Informationen über den nächsten Tag“, erläuterten spätabends, wie die Anlandung in Myggbukta vor sich gehen würde. Außerdem gab es eine Vorschau auf mögliche Programmpunkte der nächsten Tage, wie eine Fahrt in den Kaiser-Franz-Joseph-Fjord und den davon abzweigenden Nordfjord, in den der Waltershausen-Gletscher mit einer immerhin 8 km breiten Abbruchkante kalbt.

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