Antoniuskirche in Basel

Schon beim Vorbeifahren mit der Basler Tram ist mir die lange Front dieses Bauwerks mit seinen hohen Fenstern aufgefallen, das in einer Reihe mit den Wohnhäusern an der Kannenfeldstrasse steht. Dass es eine Kirche sein könnte, hatte ich schon vermutet. Bestätigt wurde das, als ich beim Aussteigen an der nächsten Haltestelle der Tram zurückblickte und den hoch aufragenden Turm sah, den die großen Bäume zuvor meinem Blick entzogen hatten.

Der Turm aus einiger Entfernung

Der Eingang zur Kirche erfolgt durch ein eindrucksvolles Portal mit gestaffelt hintereinanderliegenden rechtwinkligen Betonbögen, das auch den Durchgang zum Innenhof mit Gemeindehaus bildet.

Gebaut wurde die Kirche zwischen 1925 und 1927 nach Plänen des Schweizer Architekten Karl Moser, der zuvor schon etliche Kirchen mit seinem Partner Robert Curjel im gemeinsamen Architekturbüro entworfen hatte. Auch der Badische Bahnhof stammt von Moser.

Die Antoniuskirche ist Mosers letztes Bauwerk und unterscheidet sich als erste reine Betonkirche der Schweiz deutlich vom Stil seiner Vorgängerbauten. Moser hat sich bei dieser komplett in rohem Sichtbeton ausgeführten Kirche von der französischen Kirche Notre-Dame der Raincy inspirieren lassen. Die Basler haben dem neuartigen Kirchenbau dann bald den spöttischen Beinamen Seelensilo gegeben.

Innenraum

Die riesigen Fenster mit den bunten Scheiben lassen viel Licht in den Innenraum. Vor allem wenn die Sonne scheint, entstehen wunderbare Lichtspiele auf dem Boden, auf Kirchenbänken, im Altarraum und an den Betonpfeilern, die das Tonnengewölbe und die schmalen Seitenschiffe tragen.

Ein Pilgerort nicht nur für Gläubige, sondern auch für Freunde der Architektur des Brutalismus – ein Begriff, der erst etliche Jahre nach Fertigstellung der Kirche geprägt wurde.


Pfarrei St. Anton

Kannenfeldstrasse 35, 4056 Basel
antoniuskirche.ch

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4 Antworten auf „Antoniuskirche in Basel“

  1. Danke für die Beschreibung. Irgendwann komm ich bestimmt wieder nach Basel, dann schau ich mir die Kirche an. Geht das ohne Anmeldung? Bis dahin habe ich in Berlin Brutalismus genug. 😉

    1. Die Kirche ist eine katholische (die sind im Gegensatz zu den protestantischen eigentlich tagsüber immer offen) und daher, wenn nicht gerade ein Gottesdienst stattfindet, täglich von 7 bis 19 Uhr ohne Anmeldung besuchbar.

      Warst du schon mal in Regina Martyrum? Auch ein wunderbarer Brutalismus.

  2. Ein schöner Beitrag. Zu meiner Schande muss ich gestehen, dass ich die Kirche nicht kannte. Der Begriff „Seelensilo“ ist aber für die Art der Basler sehr typisch.

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