Westgrönland 8. Tag, 5.8.2025, Savissivik

Karte mit Schiffsroute von Mitternacht bis Mitternacht einschließlich Landausflug und Bootsfahrt (Map Data © Google)

Morgens liegt das Schiff vor Savissivik, einer kleinen Siedlung an der Melville-Bucht mit nur rund 50 Einwohnern, die zu den entlegensten Orten Grönlands gehört. Hier bildet die Jagd nach Robben und Krabbentauchern sowie Eisbären und Narwalen nach wie vor einen wichtigen Teil des Lebens.

Savissivik liegt auf der gleichnamigen Insel, deren dänischer Name Meteoritø (Meteoriten-Insel) lautet. Im Nordosten der Insel wurde das mit 31 Tonnen schwerste Bruchstück des Cape-York-Meteoriten gefunden. Wann genau der Eisenmeteorit hier niederging und in viele Bruchstücke zerbrach, ist nicht genau zu bestimmen. Man geht aber davon aus, dass das vor mindestens tausend Jahren gewesen sein muss, weil viele Artefakte der Inuit der Thule-Kultur gefunden wurden, die das Eisen des Meteoriten für Klingen und Spitzen von Lanzen und Harpunen enthalten.


Karte der Meteoriteninsel Savissivik (von kort.nunagis.gl, dem meiner Meinung nach besten Kartenwerk von Grönland)

In der Mitte der Nordostküste, beim T von Tunorput, wurde das oben erwähnte größte Bruchstück des Meteoriten, genannt Ahnighito, gefunden. Die Inuit führten 1894 den Polarforscher Robert Edwin Peary zu dem Meteoriten, den Peary darauf im Jahr 1897, ganz im Stil westlicher Kolonisatoren, nach New York brachte, wo Ahnighito im American Museum of Natural History ausgestellt ist. Viele der anderen Bruchstücke landeten ebenfalls in New York, eines auch in Kopenhagen.

Besuch von Savissivik

Der Plan bestand ursprünglich darin, erst eine Bootsfahrt mit den Zodiacs zur Meteoriteninsel zu unternehmen und am Nachmittag die Siedlung zu besuchen. Das wurde kurzfristig umgestellt, und so wurde unsere Bootsgruppe gegen 11 Uhr an Land gebracht. Da es hier keinerlei Kais oder auch nur Stege gibt, war es eine nasse Anlandung am Strand, und neben den obligatorischen Rettungswesten waren auch Gummistiefel Pflicht.

Es war ein sehr nebliger und diesiger Tag, aber es hat wenigstens nicht geregnet. Erstaunlich waren die rötlich eingefärbten Schneefelder, die sich den Berg hinaufzogen, aber auch bis in den Ort erstreckten. Die Rotfärbung entsteht durch Schneealgen. Diese Algen reduzieren auf dem grönländischen Eisschild die Oberflächenalbedo, so dass weniger Sonnenlicht reflektiert wird und mehr vom Eis absorbiert wird, was dessen Schmelzen beschleunigt.

Cruising mit dem Zodiac

Am späten Nachmittag war dann Cruising mit den Zodiacs angesagt. Schon vom Liegeplatz des Schiffs aus konnte man am Horizont eine große Menge Eisberge erblicken. Mit dem Zodiac kamen wir natürlich viel näher an einzelne Eisberge heran, deren vielfältige Formen immer wieder begeistern können.

Gelegentlich kommt es vor, dass von einem solchen Eisberg ein Stück abbricht, er darauf einen anderen Schwerpunkt erhält und sich im Wasser dreht. Meist ist man zu spät, um ein solches Ereignis noch rechtzeitig zu filmen, aber hier ist es meiner Lieblingszicke während der Bootsfahrt geglückt, wenn auch der Anfang fehlt.

Kurz vor Mitternacht gab es dann noch einen schönen Ausblick auf die grönländische Küste am Kap York – mit Eisbergen vor Bergen unter einem blauen Himmel.

Blick auf Kap York

Film über den Winter in Savissivik

Das Leben der Inuit in Savissivik im Winter beschreibt sehr schön der zweite der vier Teile der Serie Leben mit den Inuit von Josefin Kuschela in der ZDF-Mediathek.

Auf Jagd mit den Inuit
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