Westgrönland, 9. Tag, 6.8.2025, Uummannaq–Dundas–Thule

Karte 9. Tag
Karte mit Schiffsroute von Mitternacht bis Mitternacht einschließlich Landausflug (Map Data © Google)

Auf der Weiterfahrt nach Norden habe ich früh morgens gegen 3:30 Uhr mal die Nase nach draußen gesteckt. Wir passierten gerade die Insel Igannaq (Conical Rock) kurz vor der Bucht Issuissuup Paava (Parker Show Bugt). Die Sonne färbte den Horizont rötlich-gelb und der Himmel erstreckte sich blau mit ein paar weißen Zirren über der Küstenlinie mit einigen Bergen – mit rund 500 m nicht allzu hoch – und ein paar Gletscherzungen, die vom Eisschild bis zum Meer reichen. Davor schwammen dekorativ ein paar Eisberge.

Zwischen halb sieben und halb neun Uhr lenkte die Besatzung das Schiff auf eine Panoramafahrt dichter an der Küste entlang – an einer Stelle, wo es bekannte Jagdgebiete gibt und mit wilden Tieren zu rechnen ist, die man an Deck durchs Fernglas oder binnenschiffs auf den Monitoren beobachten konnte. Dabei kommt die GSS-Kamera (Gyro-Stabilized Systems) zu Einsatz, ein High-Tech Ausrüstungsstück, das am höchsten Punkt des Schiffs angebracht ist und von einem Arbeitsplatz auf der Brücke aus ferngesteuert wird. Dank der großen Brennweite und der mehrachsigen Gyro-Stabilisierung gelingen trotz der ständigen Schiffsbewegungen erstaunliche Aufnahmen. Hier weidete eine Gruppe von Moschusochsen, die mit bloßen Auge so gut wie nicht und selbst mit Fernglas nur mit Mühe zu sehen waren.

Moschusochse von der GSS-Kamera aufgenommen und vom Monitor abfotografiert

Nach dem Frühstück gab es, derweil wir weiter an der Küste entlang fuhren, einige interessante Vorträge an Bord, so von einem der beiden Lotsen, die wir an Bord hatten, und von Ursula aus dem Expeditionsteam über die Siedlungen der Nordmänner in Grönland.

Am Nachmittag gegen 13:30 Uhr erreichten wir das Tagesziel, einen Ort mit vielen Namen: Uummannaq, Dundas (englisch), oder Thule (dänisch und international). Das war das zweite Uummanaq auf unserer Reise, auch hier ist der markante Berg Namensgeber für den Ort. Britische Seekarten verwenden seit Mitte des 19. Jahrhunderts den Namen „Mount Dundas“. Vermutlich vergaben britische Segler, die 1849 mit ihrem Schiff, der HMS North Star, im Eis eingefroren waren und überwintern mussten, diesen Namen. Der dänisch-grönländische Polarforscher Knud Rasmussen errichtete hier 1910 eine Handelsstation. Er nannte den Ort Thule, nach der mythischen Insel im Norden Europas.

Stein zum Gedenken an Knud Rasmussen

Die dänische Inschrift lautet:
KNUD RASMUSSEN
ANLAGDE THULE 19-8-1910 OG STYREDE KAP YORK DISTRIKTET
TIL SIN DØD 21-12-1933
(Knud Rasmussen
gründete Thule am 19.8.1910 und verwaltete das Kap York-Gebiet
bis zu seinem Tod am 21.12.1933)

Uummannaq war lange Zeit das Zentrum der Inughuit im Norden Grönlands. Sie waren Anfang um 1700 aus Kanada eingewandert und lebten hier komplett isoliert, bis die ersten Europäer ankamen. Mit der Gründung der Handelsstation intensivierte sich der westgrönländische und dänische Einfluss, u.a. auch durch die Christianisierung durch dänische Missionare.

1951 lebten in Uummannaq 142 Personen. Im selben Jahr genehmigte der dänische Staat den USA die Errichtung einer Luftwaffenbasis, ursprünglich Thule Air Base, seit 2023 Pituffik Space Base genannt. Zwei Jahre nach dem Bau der Basis wurden die Bewohner von Uummannaq in das 108 km weiter nördlich neu gegründete Qaanaaq zwangsumgesiedelt, weil sie zu nahe am amerikanischen Militärgebiet wohnten, das nach Plänen der USA ausgeweitet werden sollte. Der Name Thule wanderte mit und wurde als dänische Bezeichnung für Qaanaaq übernommen.

Karte Dundas - Uummannaq - Thule
Detailkarte UUmmannaq / Thule / Dundas mit Pituffik Space Base

Nachmittags durfte unsere Bootsgruppe als drittletzte um 16:30 mit dem Zodiac an Land und wir sind rund zwei Stunden durch durch das verlassene Dorf und das weitläufige Gelände drum herum gegangen.

Die ersten drei Bilder oben sind noch von Bord aus gemacht, der Rest bei der Wanderung. Dabei gab es viele der Blumen zu sehen, die fast überall in Grönland zu finden sind. Man staunt, dass es so hoch in der Arktis (76°33’N und ~1300 km bis zum Nordpol) noch so schön blüht.

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