
Karte mit Schiffsroute von Mitternacht bis Mitternacht und Landausflug (Map Data © Google)
Nachdem wir am gestrigen Tag bereits im alten Thule (Uummannaq) waren, ging es nun zum neuen Thule (Qaanaaq) – der Siedlung, in die 1953 116 der Einwohner von Uummannaq zwangsumgesiedelt wurden. Ihr Hab und Gut transportierten sie auf Hundeschlitten die rund 120 km nach Norden, nachdem ihnen nur vier Tage zuvor der Beschluss der dänischen Regierung zur Umsiedelung mitgeteilt worden war.
Qaanaaq (77°28′N, 69°14′W) wurde 1962 mit der Dekolonialisierung zur Stadt und ist seitdem der nördlichste Ort der Welt mit Stadtrechten. Trotz seiner Abgeschiedenheit gilt Qaanaaq als eine der am stärksten wachsenden Städte Grönlands und hat heute rund 600 Einwohner.
Morgens vor der Bootsfahrt nach Qaanaaq standen einige sehenswerte Vorträge an: Es begann mit einem Vortrag von Aleqatsiaq, der selbst aus Qaanaaq kommt, mit dem Titel „Wie wir jagen“, in dem er berichtete, wie die Inughuit mit Hundeschlitten und Kajaks Robben, Narwale und Eisbären jagen. Anschließend hielt Simon, der Vogelkundler des Expeditionsteams, einen Vortrag über Krabbentaucher (Little Auks) – ein Vogel, den wir schon oft vom Deck des Schiffs aus beobachten konnten und den wir am nächsten Tag in großen Kolonien sehen würden.
Kurz nach elf Uhr ankerte die MS Fridtjof Nansen vor Qaanaaq. Wenig später kam der Chor von Qaanaaq an Bord und gab ein kleines Konzert in der Expedition Launch.

Der Chor von Qaanaaq singt an Bord – ganz links Aleqatsiaq Peary, der als grönländisches Mitglied des Expeditionsteams viele interessante Vorträge hielt.
Nach dem Mittagessen wurden wir mit den Zodiacs an Land gebracht und konnten am Ende der langen Pier trockenen Fußes aussteigen. In der Sporthalle führte ein Paar einen grönländischen Trommeltanz vor, wobei der Mann trommelte und die Frau einen kurzen Stab zwischen ihren Händen leicht schwenkte, was den Mann mental unterstützen sollte. Außerdem waren in der Sporthalle viele Tische aufgebaut, an denen grönländisches Kunsthandwerk feilgeboten wurde.
Sehr sehenswert fand ich das Museum in Qaanaaq. Es ist in Knud Rasmussens Haus untergebracht, das 1910 als erstes Haus in Uummannaq, dem alten Thule, errichtet wurde, 1986 ins neue Thule gebracht wurde und seit 1987 als Museum dient. Es beherbergt eine sorgfältig zusammengestellte Ausstellung über die Expeditionen Rasmussens sowie historische Gegenstände aus der Region.
Zu den weiteren Angebote an Land gehörte u.a. die Teilnahme an einem traditionellen Workshop zur Verarbeitung von Leder und verschiedenen Techniken des Nähens. Im Haus des lokalen Frauenclubs war eine Ausstellung traditioneller Kleidung aus Robbenfell und verschiedenen Pelzen zu sehen, die hier im Norden Grönlands noch täglich getragen wird. Zudem fanden zwei Wanderungen mit dem Expeditionsteam statt, eine zweistündige zu einem Aussichtspunkt und eine vierstündige bis zur Eiskappe – beide aber durch unwegsames, steiles Gelände und recht anspruchsvoll. Wäre ich noch jünger und deutlich fitter gewesen, hätte ich gerne die Wanderung zur Eiskappe gemacht.
Zurück an Bord besuchte ich am späten Nachmittag und am Abend weitere interessante Vorträge. Sidsel berichtete über ihre Kindheit und Jugend auf der südgrönländischen Militärbasis Grønnedal und Ursula erzählte unter dem Titel „Das grüne Land“ darüber, wie Grönland seinen Namen im Mittelalter von den ersten europäischen Siedlern bekam.
Am Abend fuhren wir weiter nordwärts durch den Murchison Sund, wo ich noch ein paar Eindrücke von der Landschaft festhielt, die an uns vorüberzog.
Film über den Winter in Qaanaq
Das Leben der Inughuit in Qaanaaq im Winter beschreibt sehr schön der erste der vier Teile der Serie „Leben mit den Inuit“ von Josefin Kuschela in der ZDF-Mediathek.






















