
Karte mit Schiffsroute von Mitternacht bis Mitternacht einschließlich Bootsfahrt und Landausflug (Map Data © Google)
Am nächsten Tag lagen wir schon früh morgens im Foulke Fjord (Iitap Kangerlua), unweit von Etah (Iita). Gleich nach dem Frühstück begann die übliche Umkleidezeremonie: Warmes Unterzeug, Wollpullover, gefütterte Hose, Gummistiefel, wasserfeste Überhose, warme Jacke und zuletzt die Rettungsweste, danach noch eine warme Kopfbedeckung, Mückennetz und Handschuhe in die Jackentasche stopfen und das Fernglas auch nicht vergessen. Da war man schon gehörig warm oder gar ins Schwitzen gekommen. Als der Aufruf unserer Bootsgruppe kam, ging’s runter auf Deck 3 zur Expedition Launch, wo man noch ein wenig warten und schwitzen konnte, bevor man ins Boot einsteigen durfte – endlich eine Abkühlung. Um kurz nach zehn fuhren wir dann los auf die Erkundungsfahrt weiter in den Fjord hinein.

Detailkarte Etah und Foulke Fjord
Auf der Fahrt hielten wir in zwei kleinen Buchten an, in der ersten gab es Moschusoschsen zu sehen, in der zweiten Schneehasen. Man brauchte schon ein gutes Fernglas, um die Tiere zu entdecken und eine Kamera mit einem Teleobjektiv größerer Brennweite, um akzeptable Bilder zu machen. Ich hatte nur das iPhone dabei und so gibt es keine Fotos aus großer Entfernung, auf denen man die Tiere erkennen könnte. Lediglich einen weißen Fleck auf einem Foto kann man als Schneehasen von den weißen Steinen unterscheiden, wenn man ihn zuvor durchs Fernglas gesehen hat (hier eingekringelt).
Wir waren hier im Land der Krabbentaucher (Little Auks). Unmengen dieser Vögel bilden riesige Kolonien, die an den Berghängen brüten, wenn sie nicht in großen Gruppen unterwegs auf Nahrungssuche sind. Die Anzahl der in Nordwestgrönland lebenden Krabbentaucher wird auf 33 Millionen geschätzt.
Krabbentaucher bilden einen nicht unbedeutenden Teil der Ernährung der Inughuit. Die Vögel werden im Sommer mit Keschern gefangen und zu mehreren Hundert in Robbenhäute gepackt und fermentiert. Die resultierende Speise heißt Kiviaq, siehe auch Inside Greenland’s Misunderstood Winter Delicacy und dient als Nahrungsvorrat für den Winter, wird aber auch oft bei Festen verspeist. Auf der Suche nach Information über Kiviaq bin ich auf ein auf YouTube veröffentlichtes Video (mit englischen Untertiteln) eines koreanischen Filmteams gestoßen, in dem das Fangen und Einlegen der Krabbentaucher gezeigt wird.
Video-Link: https://youtu.be/xzPLa-oi1dk
Leider gab es sehr selten Vorträge über die Geologie der Orte, die wir auf den Bootsfahrten und Landgängen besuchten. So muss ich gelegentlich auf andere, mitunter auch alte Quellen zurückgreifen. Knud Rasmussen schreibt in seinem Beitrag über die Thule-Region in den Meddelelser om Grønland (1921) über die Felsen von Etah: „Fjældene om Etah bestaar af Eruptiver, blandt hvilke ogsaa ses Granit og Porfyr.“ (Die Berge um Etah bestehen aus Eruptivgestein, darunter auch Granit und Porphyr.) Ganz unabhängig von der Geologie sehen die rund 700 Meter hohen Berghänge an diesem Fjord prächtig aus mit ihrem rötlich gefärbten Gestein und den grünen Wiesen im unteren Bereich. Kein Wunder, dass die Krabbentaucher sich hier wohlfühlen.
Hier, am Anfang des Smithsunds, sind es nur rund 50 km bis Kanada. Die ersten Inuit, die vor rund 4500 Jahren aus Kanada hier nach Grönland kamen, ließen sich in Etah nieder. Auch spätere Gruppen anderer kanadischer Inuit kamen in Etah an. Etah war bis 1952 besiedelt und wurde 1953 als Wohnort aufgegeben.
Am Nachmittag fand ein Ausflug mit den Booten zu einer Halbinsel gegenüber von Etah statt, an dem ich nicht teilgenommen habe, weil ich gerade nicht gut zu Fuß war. Die Lieblingszicke ist aber mitgefahren und hat ein paar schöne Fotos von Bergen und Eisbergen gemacht.
Am Abend fuhren wir langsam weiter in den Smithsund hinein, langsam, weil wir hier zunehmend mit Meereis konfrontiert waren. So fuhren wir im Zickzack durchs Eis und legten wir bis Mitternacht in etwas mehr als einer Stunde nur 14 km zurück.


























