Westgrönland, 12. Tag, 9.8.2025, Auf der Meereisscholle


Karte mit Schiffsroute von Mitternacht bis Mitternacht (Map Data © Google)

Nachts waren wir ziemlich langsam auf der Suche nach eisfreien Passagen im Zickzack durch das Meereis gefahren. Als ich morgens um halb sieben die Nase ins Freie steckte, versprach die Aussicht schönes Wetter: Viele dünne weiße Wolken hingen vor strahlend blauem Himmel, und die Sonne schien am Horizont.

Gegen halb elf lagen wir für eine halbe Stunde still, um Eisbären auf einer Scholle zu beobachten. Das ging wunderbar über die GSS-Kamera auf den Bildschirmen im Schiff oder aber mit dem Fernglas an Deck. Gute Fotos gelangen aber auch hier nur mit einem dicken Teleobjektiv. Ich hatte nur das Telefon und habe deshalb auch nur einen gelblichen Fleck im Eis fotografieren können.


Glaubt’s mir, das Gelbliche ist ein Eisbär

Bei der abendlichen Präsentation an Bord wurde die Karte mit dem zurückgelegten Weg seit dem gestrigen Abend gezeigt, versehen mit einigen Schiffspositionen und und Uhrzeiten. Danach erreichten wir um 14:15 Uhr mit 78°44.202’N, 72°35.334’W den nördlichsten Punkt unserer Reise.

Das Schiff parkte auf einem eisfreien Fleck zwischen den Schollen, und das Expeditionsteam rückte mit mehreren Booten aus, um eine geeignete tragfähige Scholle für eine Anlandung zu finden. Nach einer Stunde kamen sie zurück und bald darauf saßen wir in einem Zodiac und fuhren mit Fullspeed zur ausgewählten Scholle, wo wir nach wenigen Minuten Fahrt vom Expeditionsteam in Empfang genommen wurden.

Auf der Fahrt zur Scholle

Der für uns begehbare Teil der Scholle war mit rot-weißen Kegeln markiert. Drum herum hatten einige Mitglieder des Expeditionsteams als Eisbärwächter Position bezogen. Eisbären sind gute Schwimmer und können ganz unvermutet aus dem Wasser auf die Scholle springen, und wir hatten doch heute morgen nicht unweit von „unserer“ Scholle Eisbären gesichtet – erhöhte Vorsicht war also durchaus angebracht.

Es waren selbstverständlich nicht alle Mitreisenden gleichzeitig auf der Scholle, vielmehr wurden sie Bootsgruppe für Bootsgruppe angefahren und hatten dann rund eine halbe Stunde Zeit, bevor sie wieder zurück zum Schiff gebracht wurden.

Das Wetter war wunderbar, mit vielen weißen Wolken zwischen denen immer mal wieder ein Stück blauer Himmel aufblitze. Dazu das türkisfarbene Schmelzwasser in den kleinen Seen auf der Scholle.

Auf der Scholle

Die Rückfahrt von der Scholle gestaltete sich irgendwo zwischen mühsam und unmöglich, denn alle offenen Wege, über die die Zodiacs zur Scholle gekommen waren, hatten sich inzwischen geschlossen. Nach einigem erfolglosen Suchen fuhr unser Schiff letztlich sehr viel näher zur Scholle und die Boote hatten wieder einen freien Weg.


MS Fridtjof Nansen kommt näher zur Scholle

Nach diesem außergewöhnlichen Erlebnis begann schon die Rückreise, denn weiter nach Norden wurde das Packeis immer dichter. Außerdem wollte die Brücke nicht das Risiko eingehen, dass dichtes Eis die Rückfahrt verzögern könnte und dadurch weitere geplante Anlandungen ausfallen müssten, um wieder pünktlich in Nuuk anzukommen.

Am späten Abend, kurz vor elf Uhr, bot sich fast der gleiche schöne Anblick wie am Morgen.

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Eine Antwort auf „Westgrönland, 12. Tag, 9.8.2025, Auf der Meereisscholle“

  1. Wie immer wunderbar geschrieben und fotografiert. Gibt es eine Einrichtung, die dir einen Orden dafür verleiht? Vielleicht irgendeine Regierung oder Institution?

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