Westgrönland, 16. Tag, 13.8.2025, Eqip Sermia & Ataa-Sund


Karte mit Schiffsroute von Mitternacht bis Mitternacht einschließlich Bootsfahrt und Landausflug (Map Data © Google)

Unser Schiff hatte bereits in der Nacht die Bucht vor dem Eqip Sermia (Eqi-Gletscher) erreicht. Dieser Gletscher ist rund 5 km breit und seine Eiskante ragt bis zu 200 m in die Höhe. Als einer der aktivsten Gletscher in Grönland ist er ein beliebtes Tourismusziel. Vom ca. 80 km südlich gelegenen Ilulissat werden eintägige Bootsfahrten zum Gletscher angeboten. Alternativ kann man auch in der Eqi-Lodge übernachten, von wo aus Wanderungen zum Gletscher angeboten werden.

Am Eqi-Gletscher begann 1912 die zweite Grönlandexpedition des Schweizer Arktisforschers Alfred de Quervain. Die Bucht vor dem Gletscher trägt danach auch den Namen De Quervains Havn. Wilhelm Jost, einer der schweizerischen Expeditionsteilnehmer, schreibt über den Beginn der Expedition:

Gedenkst Du noch jenes Tages, da wir zu dritt zum erstenmal auf das Inlandeis hinaufstiegen? Bei schönster Mitternachtssonne hatten wir Jakobshavn verlassen. Es war eine grosse Unruhe an Bord: die Hundemeute lärmte, Neugierige drängten sich heran, und wir selber waren im Innersten erregt; denn in wenigen Stunden sollten wir das eigentliche Arbeitsfeld der Expedition betreten. Bald hatte Fox [das Expeditionsschiff] den herrlichen blauen Atasund durchschnitten und nahm östlichen Kurs in eine Bucht hinein, die von den dänischen Schiffs-offizieren zu Deiner Ehre Quervains Havn benannt wurde. Vor der Mündung eines grossen Gletscherbaches fielen die Anker. Ein niedriger Landrücken bot Schutz, und vor uns dehnten sich die Buchten und Vorsprünge der viele Kilometer langen Eisfront des Ekip termea [sic] aus, an der sich die Brandungswellen brachen. Rasch war ein Boot zur Stelle, das uns erst durch trübe Gletschermilch, dann wieder durch klares Fahrwasser dem Ende des Fjordes zuführte. Wie doch die Arktis ihr Sommerlicht verschwendet, wie das blinkt und blendet auf See und Eis!

Wir sind hier nicht an Land gegangen, geschweige denn zum Inlandeis aufgestiegen, unternahmen aber am Morgen eine Rundfahrt mit den Zodiacs vor dem Gletscher. Er kalbte mehrfach, ich war aber immer zu spät oder nicht in der richtigen Position, um ein Filmchen davon aufzunehmen, deshalb hier nur eine Bildergalerie.

Auf den vielen Eisschollen vor dem Gletscher hatten sich große Mengen an Dreizehenmöwen niedergelassen. Gibt es vielleicht frisches Fischfutter, wenn der Gletscher kalbt?

Auf dem Weg zurück zum Schiff kamen wir auch an einem „schmutzigen“ Eisberg vorbei – ein Eisberg aus der untersten – also ältesten – Schicht des Gletschers, der Sediment mit sich führt. Wo kein Sediment das Eis bedeckte, war es transparent, weil das Gewicht des Gletschers über die Jahrhunderte die Luftblasen aus dem Eis hinausgequetscht hatte.

Nachmittags fuhren wir in der Nähe der aufgegebenen Siedlung Ataa in eine kleine Bucht, wo wir mit den Zodiacs an Land gebracht wurden. Hier gab es für die Unerschrockenen und Herzgesunden die Möglichkeit zum „Polar Plunge“, einem Sprung ins 2° kalte Polargewässer. Wer das Eintauchen ins kalte Nass wagte, erhielt am nächsten Tag eine Urkunde darüber in seine Kabine geliefert.

Alternativ konnte man auch ein wenig an Land herumspazieren, auf eine Anhöhe kraxeln und von dort die Aussicht genießen.

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3 Antworten auf „Westgrönland, 16. Tag, 13.8.2025, Eqip Sermia & Ataa-Sund“

  1. Alfred de Quervain? Das muss wohl ein Französischschweizer sein. Oder ein Welscher, wie wir hier sagen. Mit Eis und Schnee kennen wir uns aus.

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