
Weit entfernt von unserem gestrigen Ziel war unser heutiges nicht, so dass wir schon morgens früh nur wenige Seemeilen vor der Südspitze der größten Insel Grönlands mit dem Namen Qeqertarsuaq („große Insel“, Diskoinsel) auf Reede lagen und einen schönen Blick auf die sonnenbeschienene Küste hatten.
Nach einem frühen Frühstück bestieg unsere Bootsgruppe um 8:30 Uhr als eine der ersten ein Zodiac, und wir fuhren bei heftigem Wind und dementsprechendem Seegang an die Küste der Insel. Und die zeigte in aller Pracht die Besonderheit der Insel, ihren vulkanischen Ursprung. Es ist der einzige Ort in Grönland, der diese geologische Besonderheit aufweist. Über einen Großteil der Küste erstreckt sich Basalt in immer neuen Formationen.
Nachdem alle Bootsgruppen vom Cruising zurückgekommen waren, fuhr unser Schiff die paar Seemeilen weiter nach Süden zur Stadt an der Südspitze, die auf grönländisch den gleichen Namen trägt wie die ganze Insel: Qeqertarsuaq. Der Walfänger Svend Sandgreen gründete die Stadt 1773 mit dem dänischen Namen Godhavn (Guter Hafen) wegen ihrer natürlichen, geschützten Hafenbucht.
Wir lagen nicht alleine in der Hafenbucht, dort lag auch die Athos, der größte Zweimast-Schoner der Welt, eine Luxusyacht, die wohl gerade für rund 43 Millionen Dollar zum Verkauf stand.
Am frühen Nachmittag wurden wir mit den Tendern an Land gebracht und stiegen trockenen Fußes auf den Tourist Ponton – weder Rettungswesten noch Gummistiefel waren erforderlich. Das war ganz gut, denn wir nahmen am Ausflug „Grönländische Polka“ teil und da konnte, durfte, sollte man auch tanzen, was mit Gummistiefeln wohl etwas schwer gefallen wäre. Die Veranstaltung fand im Gemeindezentrum statt und wurde vom lokalen Tanzclub Qeqertarsuarmi Kalattoortartut organisiert.
Sieben schwarz gekleidete Frauen von jung bis alt, die alle unterschiedlichen grönländischen Perlenschmuck um den Hals trugen, und ein Mann im weißen grönländischen Annoraaq führten verschiedene Tänze vor, darunter Walzer, Polka und Zwiefacher. Wir wunderten uns, wie der bayrische Zwiefache – ein Volkstanz, der fortwährend zwischen 3/4 und 2/4 Takt wechselt und darum schwierig zu tanzen ist – nach Grönland kam. Später, bei Kaffee und Kuchen, erfuhren wir von den Tänzerinnen, dass holländische Walfänger (unter denen wohl auch der ein oder andere Bayer gewesen sein muss) diese Tänze im 18. und 19. Jahrhundert mitgebracht hatten, und sie sich seitdem großer Beliebtheit erfreuen.
Nachdem wir über ein Stunde zugeschaut und einen Tanz auch mitgetanzt hatten (das war leider ein Zwiefacher und so bin ich meiner Tanzpartnerin kein guter Mittänzer gewesen), ging’s noch auf eine kleine Wanderung durch die Stadt, zur Kirche, vorbei an vielen bunten Häusern, zu Häusern an der Küste mit Eisbergen und zurück zu unserem Anleger, dem Tourist Ponton direkt neben dem lokalen Museum.
Kurz nach neun Uhr abends wurde der letzte Tender eingeholt, und das Schiff nahm Kurs auf Sisimiut, unsere nächste Station.
































Abgesehen davon, dass ich deine Berichte immer wieder hinreissend und lesenswert finde, ist mir diesmal etwas Besonderes aufgefallen. Die Übersichtskarte sieht düster aus. So wie bei Nacht. (Karte mit Schiffsroute von Mitternacht bis Mitternacht). Absicht oder bloß eine dämliche Bemerkung von mir.
Das liegt vielleicht daran, dass diesmal soviel dunkelblaues Meer und so wenig helles Eis zu sehen ist?
PS: Eigentlich hatte ich einen Kommentar zur Schweizerischen Grönlandexpedition in vorigen Blogpost erwartet …