St. Martin Berlin-Kaulsdorf

Der Architekt Josef Bachem schuf zusammen mit seinem Partner Heinrich Horvatin in den Jahren 1929 und 1930 die Kirche St. Martin in Kaulsdorf als einen bedeutenden Kirchenbau im Stil der Neuen Sachlichkeit. Wenige Jahre zuvor hatte Bachem die katholische St. Augustinus-Kirche im Berliner Bezirk Prenzlauer Berg noch ganz im Stil eines strengen Spätexpressionismus erbaut.

Ein mächtiger Turm – auf beiden Seiten von Kapellenvorbauten flankiert – bestimmt die wuchtige Erscheinung des ganz in rotem Backstein ausgeführten Baus. Ein schmaler Fensterschlitz teilt die Frontseite des Turms vertikal – manche sagen, das symbolisiere den geteilten Mantel des hl. Martin. Außer acht runden Fenstern und einem großen Kreuz auf dem Turm weist die Front keine weiteren Ornamente auf.

Auch der Innenraum der Kirche ist schlicht, rechtwinklig, schnörkellos, mit einer flachen Holzbalkendecke ausgestattet.

St. Martin Kaulsdorf

Einziger Schmuck des Bauwerks sind die Glasfenster, die Charles Crodel 1943 noch während des Kriegs als Ersatz für die durch einen Bombenangriff zerstörten Fenster erschaffen hat.

St. Martin Kaulsdorf St. Martin Kaulsdorf

Die 1930 von Hannes Schulz-Tattenpach gestalteten Glasfenster der Taufkapelle, die Motive des Kirchenpatrons zeigen, sind hingegen erhalten geblieben.

St. Martin Kaulsdorf

Die zwölf aus Stein gehauenen Tafeln des Kreuzwegs in den Seitenschiffen machten auf mich eher einen etwas martialisch-militärischen Eindruck. Zu ihrer Entstehungsgeschichte konnte ich leider nichts in Erfahrung bringen.

St. Martin Kaulsdorf

Obwohl die St. Martinskirche so jung ist, bewahrt sie doch etliche sehenswerte Kunstschätze älteren Datums. Das hölzerne Altarkreuz mit Kruzifix stammt aus dem 14. Jahrhundert. Auf dem Altar steht ein aus Oberitalien stammender Renaissance-Tabernakel aus weißem Marmor. An der Stirnwand des rechten Seitenschiff findet man einen geschnitzten Marienaltar aus dem Jahre 1480. Im anderen Seitenschiff steht eine süddeutsch-volkstümliche Darstellung des heiligen Martin mit Bettler aus dem 18. Jahrhundert, ebenfalls eine Schnitzarbeit.


St. Martin

Nentwigstraße 1, 12621 Berlin-Kaulsdorf
030 5626609
st-martin-kaulsdorf.de

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3 Antworten auf „St. Martin Berlin-Kaulsdorf“

  1. Der Künstler, der die Buntglasfenster in der Taufkapelle schuf, hieß nicht Hannes Schulz, sondern Hannes Schulz-Tattenpach. Sein Künstlername war Odo Tattenpach.

    Vom 14. September bis zum 2. November 2013 wird es in der Versöhnungskirche Leipzig-Gohlis erstmalig eine Werkausstellung dieses von den Nazis verfemten Künstlers geben. In der Versöhnungskirche Leipzig-Gohlis schuf er um 1930/31 die “mondrianesken” (so in der FAZ vor vielleicht drei Jahren bezeichnet) Langfenster im Kirchenschiff und die figürlichen Buntglasfenster in der Feierkirche, einer kleinen Seitenkakapelle. Außerdem schuf er auch – im Zusammenspiel mit den farbigen Langfenstern – den einzigartigen Farbkanon im Kirchenschiff. Er war für die gesamte farbliche Innenraumgestaltung verantwortlich.

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