Open-Air-Kunst am Hamburger Bahnhof

Direkt hinter dem Gebäude des Hamburger Bahnhofs gibt es einen Grünstreifen mit Wiese, Gras und Bäumen, bevor das ehemalige Industrie- und Bahngelände beginnt, auf dem sich hier neben dem Berlin-Spandauer Schifffahrtskanal erst die Halle von Mitte Meer und dann die Halle am Wasser erstreckt.

Etwas versteckt im Grünstreifen stehen schon seit 2005 zwei Kunstwerke: Urs Fischers Baked Master’s Basket (1999) und Bruce Naumanns Double Cage Piece (1974).

Baked Master’s Basket
Baked Master's Basket, Zustand 2009
Urs Fischer: Baked Master’s Basket, Zustand 2009

Zu Urs Fischers Baked Master’s Basket lesen wir auf einer Tafel:

Die architektonische Skulptur wurde anlässlich der Ausstellung „Urs Fischer. Werke aus der Christian Friedrich Flick Collection im Hamburger Bahnhof“ im Sommer 2005 errichtet. Die Backsteinwände werden bewusst den Naturkräften ausgesetzt. Sie sollen nicht in musealer Ewigkeit erstarren, sondern durch ihren Verfall in Bewegung bleiben. Dabei zielt Fischer nicht auf eine verklärende Ruinenromantik, vielmehr tritt die sperrige Brüchigkeit seiner Architektur in einen ironisierenden Dialog mit ihrem Umfeld.

Stimmt, die Natur bemächtigt sich langsam des Kunstwerks, Birken und Büsche wachsen zwischen den Backsteinen.

Double Cage Piece
Bruce Naumann: Double Cage Piece
Bruce Naumann: Double Cage Piece, Zustand 2009

Zu Bruce Naumanns Double Cage Piece erfährt man:

Diese Skulptur besteht aus zwei ineinander gestellten Käfigkonstruktionen aus Winkelstahlrahmen mit Füllungen aus Streckmetall. Sie wurde anlässlich der Ausstellung „Fast nichts. Minimalistische Werke aus der Christian Friedrich Flick Collection im Hamburger Bahnhof“ im Herbst 2005 aufgestellt. Der Vorstellung des Künstlers gemäß ragt die Skulptur aus einer Baumgruppe heraus. Beim Betreten der schmalen Käfiggänge wird der Besucher mit nahezu klaustrophobischer Enge konfrontiert, ist zugleich nah der Natur und von ihr durch die enge Drahtmaschenkonstruktion getrennt.

Ich habe mich jedenfalls nicht getraut, mich in die Enge zwischen innerem und äußerem Käfig zu quetschen, allein schon der Gedanke daran, dass man so etwas machen könnte, verursachte hinreichend klaustrophobische Vorstellungen.

Ergänzung September 2018

Fast zehn Jahre sind vergangen, seitdem ich diesen Beitrag geschrieben habe. Die Filiale von Mitte Meer ist inzwischen abgerissen und auch die Halle am Wasser ist Geschichte. Beide mussten weichen für den sogenannten Kunstcampus in der gerade entstehenden Europacity. Warum das Groth’sche Luxusgebäude das Wort Kunst in seinem Namen trägt, erschließt sich mir nicht ganz, wurden doch alle einst an der Heidestraße ansässigen Galerien erfolgreich vertrieben.

Die Open-Air-Kunst am Hamburger Bahnhof ist uns zumindest erhalten geblieben. Das Double Cage Piece steht unverändert, und es gibt tatsächlich auch Leute, die genug Traute haben, sich durch den engen Durchgang zu zwängen.

Der Baked Master’s Basket hingegen ist dem allmählichen Verfall preisgegeben und wird von Pflanzen überwuchert. Genau wie Urs Fischer es sich vorstellte, schrieb er doch auf eine der ersten Skizzen „Kann auch zerfallen“.


Hamburger Bahnhof

Invalidenstraße 50-51, 10557 Berlin-Moabit
030 39783439
smb.museum

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