St. Bartholomäus in Wesselburen

Fährt man südlich der Eider durch das platte Dith­mar­scher Land, so sieht man St. Bartho­lo­mäus in Wessel­bu­ren schon aus großer Entfer­nung. Wobei nicht ersicht­lich ist, ob es sich bei dem Gebäude mit dem großen roten Dach, auf dem ein Dach­rei­ter mit Zwie­bel­spitze thront, um eine Kirche oder ein Schloss handelt.

St. Bartholomäus in Wesselburen aus der Ferne
Bild aus Wiki­me­dia Commons; Foto­graf: Dirk Ingo Franke; Lizenz: Crea­tive-Commons-Lizenz CC BY-SA 1.0

So sind wir denn nach Wessel­bu­ren gefah­ren, um das näher zu erkun­den, auch gelei­tet von der Hoff­nung, hier am frühen Sams­tag­nach­mit­tag etwas zu Essen zu bekom­men.

Der Bau steht in der Mitte von Wessel­bu­ren auf einer schon vor mehr als tausend Jahren ange­leg­ten Warft und ist – wie sich heraus­stellte – kein Schloss, sondern eine Kirche. Ihre unge­wöhn­li­che Form erin­nert sehr an die früher im frucht­ba­ren Marsch­land bei Eider­stedt übli­chen großen Bauern­höfe, die Haubarge.

Die wahr­schein­lich im 12. Jahr­hun­dert erbaute Kirche brannte 1736 bis auf die roma­nisch-goti­schen Außen­mau­ern aus. Der schwä­bi­sche, in benach­bar­ten Heide ansäs­sige Baumeis­ter Johann Georg Schott baute sie 1737/​38 auf den alten Mauern komplett neu auf. Er gab die Drei­schif­fig­keit der ursprüng­li­chen Kirche auf und erschuf ein fast quadra­ti­sches Kirchen­schiff mit einem hölzer­nen Mulden­ge­wölbe und drei Empo­ren. Chor und Apsis fallen eher schmal aus und sind von einem eben­falls hölzer­nen Tonnen­ge­wölbe gedeckt.

St. Bartholomäus in Wesselburen

Entstan­den ist eine für diese Region einzig­ar­tige Barock­kir­che, nicht so über­la­den geschmückt wie viele baye­ri­sche Barock­kir­chen oder die Klos­ter­kir­che in Neuzelle – wir sind ja schließ­lich im protes­tan­ti­schen Norden. Der eine oder andere Engel ziert dann aber doch Kanzel und Fürs­ten­loge oder trägt das Tauf­be­cken.

Ein Spruch über dem Gewölbe des Chors erin­nert in eigen­ar­ti­ger Typo­gra­phie an den schnel­len Wieder­auf­bau der Kirche zwei Jahre nach der Feuers­brunst: „Mich hatte Gottes Wuth durch Feuers-Brunst verbrant. Jetzt werd ich aufge­baut, doch wie? Von Gottes Hand. Du hältest Deine Hand über mir.“


Ulmenklause

Aber da war ja auch noch der Hunger. Unweit der Kirche, auf der ande­ren Seite der Straße, liegt die Ulmen­klause, wo zu unse­rer Rettung die Küche ganz­tä­gig in Betrieb ist. Hier kann man ganz gut einkeh­ren, etwas essen, einen Kaffee, ein Bier oder einen Wein trin­ken. Sehr zu empfeh­len ist hier das Frie­sen­tört­chen, entwe­der als Nach­tisch zum Essen oder auch zum Nach­mit­tags­kaffe.

Ulmenklause innen

Der Innen­raum ist schlicht, in hellen Farben gestal­tet, und mit eini­gen alten Möbeln aufge­pimpt. Bei gutem Wetter kann man auch drau­ßen sitzen – mit freiem Blick auf die Kirche.


Ulmenklause

Am Markt 4, 25764 Wesselburen
04833-5455505
ulmenklause.de

Friedrich Hebbel

Erwäh­nen muss man natür­lich auch noch, dass Wessel­bu­ren der Geburts­ort des Dich­ters Fried­rich Hebbel ist, und es darum hier auch ein Hebbel-Museum gibt.

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