Mit der MS Trollfjord in die Polarnacht – Teil 2

Dies ist der zweite Teil des Berichts über die Reise mit dem Hurtigruten Nordkap-Express von Oslo zum Nordkap und zurück nach Bergen (zum ersten Teil).

25.12.2023, Tag 7, Tromsø

Um acht Uhr morgens lagen wir pünktlich am Kai in Tromsø. Wir hatten keinen Ausflug gebucht, so dass ich einen Faulenzertag einlegte. Ein kleiner Spaziergang in die Stadt war alles, zu dem ich mich aufraffen konnte. Auf der Hauptstraße waren alle Geschäfte über und über mit leuchtender Weihnachtsdekoration behangen, und einige Läden, vor allem mit Gedöns für Touristen, waren tatsächlich geöffnet.

Als wir an der Tromsø Domkirke vorbeikamen, sahen wir, dass drinnen Licht war, und jemand an der Orgel saß. Also vorsichtig in die Kirche und festgestellt, dass kein Gottesdienst war, aber ein kleiner Chor, begleitet von zwei Violinen, einer Trompete und natürlich der Orgel hier für den anstehenden Gottesdienst probte. Wir setzten uns und hörten ein paar Lieder lang zu. Zu den Musikern kamen nach und nach mehr Leute in die Kirche, die mit der Vorbereitung des Gottesdiensts beschäftigt waren, letztlich auch der Pfarrer, der uns mit einem herzlichen „God Jul“ begrüßte.

Nachmittags stand dann das große Forumstreffen mit einigen Mitgliedern des Hurtigforums von der MS Vesterålen an, die nach Plan um 14:15 Uhr am Kai festmachen sollte. Und in der Tat: Sie war mal wieder pünktlich.

Erst wurden wir drei Foristen, die mit der MS Trollfjord gekommen waren, auf die MS Vesterålen zu einer Besichtigungstour eingeladen. Die sechs, die mit der MS Vesterålen gekommen waren, bereiteten uns einen herzlichen Empfang. Mit einem Teil der Gruppe ging es dann – wie zuvor schon locker verabredet – zum nördlichsten Forumsstammtisch aller Zeiten in die Ølhalle.

Bei 72 Bieren vom Hahn war die Qual der Wahl groß. Ich bestellte mir ein Raspberry Sour und für die Lieblingszicke gab es ein Mocca Stout vom Berentsens Brygghus, beide waren ganz vorzüglich.

Um 18:00 Uhr legten wir ab, um 18:15 folgte die MS Vesterålen, die uns aber um ca. 20:15 überholte. Wir würden sie in Honningsvåg wiedersehen.

26.12.2023, Tag 8, Honningsvåg und Nordkap

Um acht Uhr legten wir in Honningsvåg an und würden bis 20 Uhr mehr als ausreichend Zeit haben, an einem der vielen Ausflüge teilzunehmen oder auf eigene Faust Honningsvåg und seine Umgebung zu erkunden.

Gegen zehn Uhr war es schon etwas heller, und es war klar, dass wir sehr gute Wetterbedingungen für einen Besuch am Nordkapp haben würden. Wir hatten keinen Ausflug bei Hurtigruten gebucht und entschieden uns kurzfristig, den Bus 406 zu nehmen. Der ist zwar inzwischen mit 1290 NOK (einschließlich 330 NOK Eintritt in die Nordkap-Halle) nicht mehr ganz billig.

Um 11:15 Uhr startete die Busreise ab der Tourist Information in Honningsvåg, in unmittelbarer Nähe zum Kai für Hurtigruten und Kreuzfahrtschiffe.

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Wir hatten eine freundliche Fahrerin, die während der Fahrt sehr viele Informationen über die Gegend und ihre Geschichte erzählte. Und uns – nicht ganz unwichtig – sicher durch Schnee und Eis hin und zurück fuhr. Zwei Dinge waren nicht ganz so toll: Erstens hatte der Minibus dunkel getönte Fenster, was in der Polarnacht nicht dienlich ist, und zweitens hatte sie kein Mikrofon, so dass sie in den hinteren Reihen des Busses schwer bis gar nicht zu verstehen war.

Ansonsten hatten wir Glück: Die Straße war frei, es gab keine Kolonnenfahrt. Trotzdem kamen uns einige Schneepflüge entgegen. Gegen viertel nach zwölf waren wir am Nordkap. Das Wetter spielte immer noch mit, es war klar, der Himmel war nur stellenweise bewölkt, und der Mond beschien die schneebedeckte Umgebung.

Am Globus stand eine ziemlich lange Warteschlange, so dass wir beschlossen, erst einmal in die Nordkap-Halle zu gehen, die wir von einer früheren Reise im Sommer 2017 schon kannten. Hier bewunderten wir erneut die erstaunlichen Dioramen von den ersten Reisen zum Nordkap, die seinerzeit nur per Schiff und mit einem beschwerlichen Aufstieg von der Bucht Hornvik aus möglich waren.

Der Start des Nordkaptourismus beginnt mit dem Besuch von König Oscar II. im Jahr 1873. Um zum Nordkap zu gelangen, mussten der König und sein Gefolge mit dem Schiff in Hornvika, etwa einen Kilometer südöstlich des Nordkapfelsens, anlegen und aus eigener Kraft den steilen Pfad zum Nordkapplateau hinaufgehen. Bis zur Eröffnung der Straße 1956 war dies die einzige Möglichkeit, das Nordkapp zu besuchen.

Eigentlich ist das Nordkap selbst nicht der nördlichste Punkt, sondern die Landzunge mit dem schönen Namen Knivskjellodden, die mehr als einen Kilometer weiter nach Norden ragt, aber ziemlich unzugänglich ist. Und noch eigentlicher ist das Nordkap nicht der nördlichste Punkt des europäischen Festlands, denn es liegt auf einer Insel.

Nach unserem Besuch der Nordkaphalle standen keine Besucher mehr für ein Selfie am Globus an, es wehte aber inzwischen ein ziemlicher Wind, der den Schnee vor sich hintrieb.

27.12.2023, Tag 9, Alta

In der Nacht bin ich um zwei Uhr nach draußen, denn die App des norwegischen Wetterdienstes yr.no hatte klaren Himmel und einen Kp-Index von vier für die Zeit zwischen zwei und vier Uhr vorhergesagt – beste Bedingungen für Polarlicht. Es war aber rein gar keine Aktivität am Himmel zu entdecken, nicht mal der blasseste grüne Schimmer, auch nicht durchs Objektiv der Kamera. Stattdessen fuhren wir gerade an Melkøya vorbei, der Insel vor Hammerfest, auf der das per Pipeline aus der Barentssee kommende Gas zu LNG verflüssigt wird – auch schön beleuchtet.

Gegen halb acht waren wir kurz vor Alta, der Himmel war klar und der Mond schien hell. Eine halbe Stunde später legten wir in Alta an einem eigentlich zur kurzen Kai an, weil ein größeres Kreuzfahrtschiff bereits am eigentlichen Kai lag. Hier wurden die Festmacher mit einer Art Kanone an Land geschossen.

Die Stadt am Ende des gleichnamigen Fjords liegt schon ziemlich weit im Inland, und es war mit -13° ganz schön kalt, aber trocken und gut auszuhalten. Mit dem von Hurtigruten gestellten Shuttlebus ging’s vom Anleger in das Stadtzentrum von Alta. Der Shuttlebus war schon nötig, denn erstens war es recht weit vom Anleger ins Zentrum, und zweitens lag ziemlich viel Schnee.

Von der Haltestelle war es nicht weit bis zur Nordlichtkathedrale, die wir unbedingt sehen mussten, da bei unserem ersten Besuch im Sommer 2017 die Kathedrale gerade geschlossen wurde und wir nur noch einen ganz schnellen Blick hineinwerfen durften.

Nun klappte es, allerdings war das Gedränge groß, weil nicht nur die Passagiere der MS Trollfjord sondern auch die der MS Balmoral (mit 1325 Passagieren bei Standardbelegung) die Kirche sehen wollten. Der Vorteil war, dass wir den Ausführungen des für die Balmoral tätigen Guides folgen konnten.

Leider waren die vom Coastal Experience Team kommunizierten Öffnungszeiten von Kirche und Alta-Museum nicht korrekt, was an den Feiertagen („zwischen den Jahren“, norwegisch: romjul) lag, an denen vom Standard abweichende Zeiten galten. Die hätte man im Falle des Alta-Museums problemlos von der Website erfahren können: „Åpningstidene er redusert (11–16) […] 27.–30. desember (romjul)“. So standen einige, die mit dem ÖPNV zum Museum gefahren waren, gegen 10 Uhr vor verschlossenen Türen. Eine Stunde am Standort des Museums weit außerhalb der Stadt in der Kälte zu warten, war nicht angebracht. Bei der Kirche war es nicht so arg, denn die hatte – wahrscheinlich auch, weil zwei Schiffe im Hafen lagen – verlängerte Öffnungszeiten.

28.12.2023, Tag 10, Lødingen

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Auf dem Weg nach Lødingen fuhren wir am Morgen an Harstad vorbei in den engen und gewundenen Tjeldsund – bis 1954 die Standardroute von Hurtigruten.

Bei dichtem Schneetreiben und -1° legten wir um 12 Uhr an. Einen Ausflug hatten wir nicht gebucht, sondern wollten den Ort per angekündigtem Shuttlebus und zu Fuß erkunden.

Die Lødingsværinger sind froh, dass Hurtigruten hier wieder anlegt, nachdem der regelmäßige Verkehr in den 50er Jahren eingestellt wurde, weil die Postschiffe seit dem Ausbau der Risøy-Rinne nicht mehr die Route durch den engen Tjeldsund sondern die durch den Raftsund nehmen. Darum stellen sie auch den kostenlosen Shuttlebus, der die Schiffstouristen vom Hafen in den Ort bringt – bei Schnee und Eis haben wir gerne davon Gebrauch gemacht und sind mit ihm zur Kirche gefahren.

Der Organist der Kirche spielte extra für die Passagiere der MS Trollfjord, und ein Mitglied des lokalen Geschichtsvereins, ein ehemaliger Lehrer, stand bereit und berichtete über die Geschichte der Kirche.

29.12.2023, Tag 11, Rørvik

Gegen acht Uhr – wir waren im Vegafjord ungefähr auf der Höhe von Brønnøysund – kündigte sich ein schöner Tag an, der Himmel war weitergehend klar, Sterne waren zu sehen, der Mond schien durch eine dünne Wolkendecke, das Mondlicht spiegelte sich im Meer und es war bitterkalt.

Eine Stunde später war die Blaue Stunde angesagt, allerdings zeigte sich kurz darauf auch schon ein wenig Licht am Horizont.

Kurz nach zehn Uhr fuhren wir an der Insel Leka vorbei, es war schon hell, und im Osten kündigte sich nach Tagen der Polarnacht endlich wieder ein Sonnenaufgang an, während es im Westen noch bläulich war, und der Mond am Himmel stand. Wir fuhren der Sonne entgegen und bei der Insel Gjerdinga war sie um elf Uhr hinter den Bergen schon aufgegangen.

Eine halbe Stunde später – die Sonne war inzwischen aufgegangen – lud das Coastal Experience Team zu einem Point of Interest auf Deck 9 ein, diesmal zum Nærøysund, dem wir uns näherten. Dabei wurde auch hingewiesen auf das Denkmal der Sjø Sara, an dem wir bei der Einfahrt zum Hafen vorbeifahren würden. Es erinnert an Sara Olsdatter (1775–1855), die – ungewöhnlich für ihre Zeit – als Fischerin, Lotsin und Seenotretterin arbeitete.

Endlich einmal in Rørvik mit längerem Aufenthalt und das auch noch tagsüber und bei bestem Wetter! Bislang war es uns bei der regulären Küstenfahrt nicht vergönnt gewesen, das Kystmuseum Norveg zu besuchen, weil es nächtens geschlossen ist und außerdem 20 bzw. 30 Minuten für einen Besuch definitiv zu kurz sind. Nun aber hatten wir um 12 Uhr angelegt, und uns blieben ganze vier Stunden bis zum Ablegen, genug für einen Besuch des Museums und der neuen Kirche.

Nach dem Mittagessen stapften wir den kurzen Weg zur Kirche durch den Schnee. Die erst 2019 geweihte moderne Kirche ersetzt den hölzernen Vorgängerbau von 1897, der 2012 einem Brand zum Opfer fiel. Was für ein tolles Gebäude! Sowohl von außen als auch von innen.

Wir sprachen mit dem Organisten der Kirche und er bot an, etwas Musik zu spielen. Nachdem er erst ein Stück Musik aus der Konserve gespielt hatte, spielte er auf der elektronischen Orgel ein Stück von J.S. Bach, und wir konnten uns von der extrem guten Akustik der Kirche überzeugen. Die Kirche wird darum auch regelmäßig für Konzerte genutzt. Wir erfuhren auch, dass die elektronische Orgel nur eine Übergangslösung ist, bis eine bereits in Auftrag gegebene Pfeifenorgel von einem norwegischen Orgelbauer sie ablösen wird.

Ein weiterer kurzer Fußweg brachte uns an den hanseatisch anmutenden Lagerhäusern im Binnenhafen vorbei zum Kystmuseum. Leider habe ich von innen keine Bilder gemacht. Eine freundliche deutsche Dame, die auf der Insel Leka wohnt und zwei Mal im Monat den weiten Weg mit Fähre und Auto zum Museum nimmt, führte uns durch die Ausstellung. Einen großen Teil der Ausstellungsfläche nimmt inzwischen das Salmon Center Rørvik ein, das umfangreich über die Lachszucht in Norwegen informiert und viele Gelegenheiten bietet, interaktiv und spielerisch Details über Aquakultur zu erfahren. Sicher ideal für Schulklassen.

30.12.2023, Tag 12, Molde

Morgens um acht legten wir in Molde an. Wir hatten – wie viele andere – den Ausflug zum Atlanterhavsveg (Atlantikstraße) gebucht. Gegen neun Uhr fuhren vier große Busse los, drei mit englischer, einer mit deutscher Führung. Leider spielte das Wetter nicht mit, statt mit Sonne zeigte sich der Himmel wolkenverhangen und grau.

Wir fuhren noch fast im Dunklen durch Molde Richtung Osten am Flughafen vorbei und dann durch einen langen Tunnel Richtung Norden. Nach dem Tussentunnel sind wir schon in der Gemeinde Hustadvika, es geht weiter durch Malmefjorden, und bei Moen biegen wir ab nach Elnesvågen, wo wir am Sitz der Molkerei vorbeikommen, die den bekannten Jarlsberg-Käse produziert. Außerdem ist hier ein Zentrum der Marmorindustrie, ganze Berghänge sind hier als Steinbruch verwendet worden. Der Marmor, auch große Mengen aus Nordnorwegen importierter, wird hier zu Marmormehl verarbeitet.

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Über Tornes und Harøysund ging es immer an der Küste entlang nach Bud an der Nordwestspitze der Halbinsel Romsdal. Dort machten wir einen Zwischenstopp beim Museum Ergan Kystfort. Auf dem Berg Ergan steht eine der 267 Befestigungsanlagen, die die deutsche Wehrmacht im Zweiten Weltkrieg als Teil des Atlantikwalls in Norwegen gebaut hatte. Während des kurzen Aufenthalts konnte man die Befestigungsanlage erklimmen, sich in die Warteschlange an der einzigen Toilette einreihen, oder aber – was wir machten – zum Hafen gehen.

Anschließend ging es weiter an der Küste entlang durch Hustad nach Farstad, wo der interessanteste Abschnitt der Atlantikstraße beginnt. Hier liegt eine Kette von Inseln, die mit acht Brücken miteinander zu einer acht Kilometer langen Straße verbunden wurden. Sie wurde 1989 eingeweiht, und für ihre Benutzung wurde – wie bei vielen anderen Brücken und Tunneln in Norwegen – eine Maut erhoben. Schon nach zehn Jahren war das Bauwerk durch die Maut abbezahlt, und man kann die Straße seitdem gratis benutzen. Die eindrucksvollste und sicher auch meistfotografierte Brücke ist die 260 Meter lange Storseisundbru mit einer Durchfahrtshöhe von 23 Metern. Nach dem Passieren der vielen Brücken wendeten die Busse und fuhren zurück bis zur Insel Lyngholm, wo es einen großen Parkplatz gibt und ein schön angelegter Weg um die gesamte Insel herum führt.

Zurück ging es am Kornstadfjord entlang nach Eide und weiter nach Malme, von wo aus wir nicht den Tunnel, sondern die alte Bergstraße Malmedalsvegen nahmen. An deren Spitzkehre kehrten wir ein in Skarstua, einem in den 1950er Jahren entstandenen Ferienensemble in den Bergen. Dort wurden leckere Waffeln mit Rømme und Erdbeermarmelade sowie Kaffe serviert.

Trotz des mäßigen Wetters war es ein toller Ausflug, und ich habe mehr Eindrücke als Fotos mitgebracht.

In Molde gab es am Nachmittag, vor dem Auslaufen gegen 15 Uhr, noch einen schönen Ausblick auf die Romsdal-Alpen – die Wolkendecke gab wie mit dem Lineal gezogen den Blick auf die Berge frei. Und eine der typischen Fähren, hier die Malmefjord, fuhr auch noch vorbei.

Am Abend gab es ein fünfgängiges Jubiläumsmenü zum 130-jährigen Bestehen der Hurtigrute. Mit der dazu passenden Weinbegleitung war das ein sehr gelungener Abschluss der Reise.

31.12.2023, Tag 13, Bergen

Früh um sieben legten wir in Bergen am Jektevikterminal an. Bis zum spätest möglichenen Ausstieg um 10:15 Uhr blieb uns noch genug Zeit, um ein letztes Mal ausgiebig zu frühstücken. Um 10 Uhr verließen wir das Schiff, um zum Hotel zu fahren. Bergen war an diesem letzten Sonntag des Jahres wie ausgestorben, aber es hat wenigstens nicht geregnet, und es lag auch kein Schnee. Unterwegs sind wir an ein paar hübschen Grafitti vorbei gekommen.

Diesmal waren wir im Scandic Ørnen (am Busbahnhof gelegen) untergebracht; wir hatten zwar Scandic Byparken gebucht, wurden aber umdirigiert, weil letzteres zum Jahreswechsel geschlossen war. Wir bekamen ein Zimmer mit Aussicht in der 9. Etage, das wir gleich beziehen konnten, und das einen hervorragenden Blick auf das Silvesterfeuerwerk bieten würde.

Den ganzen Tag wehte ein scharfer Wind in Bergen, aber es war trocken. Mit einem 24-Stunden-Billett von Skyss, dem örtlichen Nahverkehrsunternehmen, erkundeten wir die Stadt. Erst mit der Bybane (Straßenbahn) bis zum Danmarks Plass, um uns die Zweigstelle Kranen unseres leider über den Jahreswechsel geschlossenen Lieblingsrestaurants Colonialen im Literaturhaus anzuschauen, die in einem stillgelegten Kran an einem früheren Industriehafen in der Bucht Solheimsviken residiert.

Es war nicht ganz einfach, von der Haltestelle der Tram dorthin zu kommen, weil wir auf der falschen Seite einer autobahnähnlichen Straße (davon gibt es in Bergen recht viele) standen. Die Nachfrage bei einem Passanten ergab, dass es einige Meter weiter eine Unterführung gibt, die auf die andere Seite der Autobahn führt.

Der gesamte erste Teil der Bucht ist mit modernen Bürogebäuden bebaut, an die sich ein Wohngebiet anschließt (mit vermutlich sehr hohen Quadratmeterpreisen). In der Bucht liegen viele recht große Segel- und Motoryachten. Den Abschluss des modernen Stadtviertels bildet eine Fußgängerbrücke, die einen ans andere Ufer bringt. Hier nimmt man auch im Winter gerne mal eine Erfrischung in Form eines Bads im Hafenbecken.

Von dort aus kommt man durch den Nygårdspark wieder zur Autobahn und der Tram mit der Haltestelle Florida (ausgesprochen Flurída – wie es zu diesem Namen kommt, konnte ich nicht herausfinden). Zurück in der Innenstadt am Torget wärmten wir uns in der Freskohalle des Hotels Bergen Børs bei einer heißen Schokolade (war leider nicht die beste) auf und bewunderten die Fresken in der Halle der früheren Bergenser Börse.

Angesichts der Tatsache, dass wegen Sylvester die meisten Restaurants in Bergen bis auf die notorischen Ketten geschlossen sein würden, hatten wir schon im voraus das Internet befragt und einen Platz im äthiopischen Restaurant Savanna gebucht. Allerdings waren wir nicht wirklich zufrieden und konnten die guten Bewertungen auf Tripadvisor nicht ganz nachvollziehen. Nach dem Essen spazierten wir noch ein wenig durch das nächtliche und ziemlich menschenleere Bergen.

1.1.2024, Tag 13 +1, Bergen

Checkout im Hotel war erst 12 Uhr, das haben wir voll ausgekostet, lang geschlafen und ausgiebig gefrühstückt. Es war ja sowieso fast alles geschlossen in Bergen. Wir haben die Koffer im Hotel untergestellt und sind noch zwei Stunden durch Bergen spaziert, bei immer noch heftigem Wind musste man aufpassen, dass die Ohren nicht abfroren. Dabei sind wir noch an etlichen Graffiti vorbeigekommen.

Zum Aufwärmen haben wir einen Stopp in einem der wenigen offenen Cafés eingelegt, einer Zweigstelle der Kette Godt Brød. Der Cappuccino dort war sehr gut und der Schokokuchen hervorragend und sehr sättigend. Ich fand es deutlich besser als beim letzten Besuch bei Baker Brun. Anschließend holten wir im Hotel unser Gepäck ab und fuhren mit der Bybane zum Flughafen, checkten unsere Koffer ein und tranken vor der Sicherheitskontrolle noch die restlichen Getränke, darunter ein leckeres Fläschchen Rotwein.

Mit KLM ging es dann mit Umsteigen in Amsterdam zurück nach Berlin, wo wir kurz vor Mitternacht zu Hause eintrafen.

Resumée

Das Essen an Bord:

Das Abendmenu war abwechslungsreich und der Bezug zur jeweiligen Region und den jeweiligen regionalen Lieferanten war gegeben und wurde in der täglichen gedruckten Speisekarte erläutert. Es gab immer mal wieder Höhepunkte bei einzelnen Gängen. Die gedruckte Speisekarte, die direkt nach dem Bestellen wieder eingesammelt wurde, legt nahe, dass es über einen längeren Zeitraum auf jeder Reise mit dem Nordkapp-Ekspress das gleiche Abendessen gibt.

Das Buffet am Mittag war im Vergleich zur Vor-Corona-Zeit im Verlauf der Tage weniger abwechslungsreich und auch vom Angebot verschiedener Komponenten her gefühlt weniger umfangreich. So wurde z.B. das fehlende Angebot an Meeresfrüchten/Seafood getadelt, und ich fand, dass – vor allem beim Dessert – etwas Eintönigkeit herrschte.

Das Coastal Experience Team:

Das Team bestand aus vier Leuten, einer deutschen Leiterin und ihrem italienischen Vertreter sowie einem deutschen und einem spanischen Lecturer zu Natur und Kultur. Alle sprachen mindestens zwei Fremdsprachen. Die Vorträge zu Natur und Kultur waren sehr interessant und, da beide Lecturer schon Jahre in Norwegen leben und sehr viel in der norwegischen Natur unterwegs sind, konnten sie vieles überzeugend aus eigener Erfahrung berichten.

Nordlicht:

Trotz der hohen Sonnenaktivität in diesem Jahr und der grandiosen Bilder vom Nordlicht von der Webcam am Nordkap, die wir in der Woche vor der Reise gesehen hatten, haben wir auf der gesamten Reise kein Nordlicht gehabt – nichts, niente, nada, ingenting. Mal sehen, ob wir das Nordlichtversprechen der Reederei einlösen können.

Die Reise insgesamt:

Ich fand die Reise sehr interessant und kann sie empfehlen, man muss sich aber bewußt sein, dass sie etwas ganz anderes ist als die Küstenreise: Man fährt überwiegend nachts und hat tags zwischen vier und zehn Stunden Zeit in den angelaufenen Orten.

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4 Antworten auf „Mit der MS Trollfjord in die Polarnacht – Teil 2“

    1. Ja, es war ein sehr schöne Reise. Und was das fehlende Nordlicht angeht: Wir nehmen die Nordlichtgarantie von Hurtigruten in Anspruch, denn es gab ganz offiziell kein Nordlicht (d.h. es gab keinen Eintrag über eine Nordlichtsichtung im Logbuch des Schiffs). Damit bekommen wir eine Hälfte der kompletten Reise Bergen–Kirkenes–Bergen gratis. Und die haben wir soeben für Anfang 2025 gebucht.

  1. Der Norden muss für Dich schon eine gehörige Faszination haben. Es ist ja nicht das erste Mal, dass Du darüber schreibst. Nach dem schönen Bericht und der interessanten Bebilderung kann ich das nachvollziehen. Vielleicht überkommt es mich als sturen Südländer mal. Danke. Danke.

    1. Früher sind wir auch immer nur in den Süden gefahren. Das hat sich in den letzten Jahren geändert – wegen der grandiosen Landschaften. Im Winter sind sie oft noch eindrucksvoller als ohnehin schon.

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