Komturei Lietzen

Die Komturei Lietzen ist das letzte noch erhaltene Rittergut des Templerordens in Brandenburg. Einst hatte das Gut riesige Ausmaße, alleine der von einer kräftigen Feldsteinmauer, die in Teilen bis heute erhalten ist, umgebene Hof umfasste annähernd 40 Hektar, die gesamte Fläche betrug rund 8000 Hektar. Drei Gebäude aus dem Mittelalter sind erhalten: die Kirche, ein Speicher und das Herrenhaus.

Der Templerorden, der als erster Orden das Mönchstum mit dem Rittertum verband (heute würde man sie wohl Gotteskrieger nennen), errichtete die Komturei im Jahre 1232. Nachdem der Orden 1312 aufgelöst wurde, ging sie in den Besitz des Johanniterordens über. Dort blieb sie auch nach der Reformation, denn die Ballei Brandenburg des Ordens nahm das evangelische Bekenntnis an, so dass die Komturei erst 1811 säkularisiert wurde.

Neuer Eigentümer wurde 1814 durch Schenkung des Königs der preußische Staatskanzler Karl August von Hardenberg. In Folge der Teilnahme seines Nachfahrens Carl-Hans Graf von Hardenberg an den Vorbereitungen des Attentats vom 20. Juli 1944 enteigneten die Nationalsozialisten die Familie. Komturei und Gut wurden 1993 an die von Hardenbergs rückübertragen und Gebhard Graf von Hardenberg betreibt hier nun wieder Landwirtschaft mit Ackerbau und Forstwirtschaft. Die drei alten Gebäude hat er sorgfältig restaurieren lassen. Das zweigeschossige Herrenhaus direkt neben der Kirche wurde im 17. Jahrhundert als »Festes Haus«, eine Art befestigtes Wohnhaus, wahrscheinlich unter der Verwendung älterer Mauerreste von Vorgängerbauten errichtet.

Der Getreidespeicher wurde im 14./15. Jahrhundert aus Granitquadern erbaut und verfügt samt Keller über fünf Geschosse. Die Aufteilung des Innenraums ist ausschließlich in Holz ausgeführt, hier kann man sehr gut die Handwerkskunst erkennen, mit der die mittelalterlichen Zimmerleute die Holzkonstruktionen der Tragwerke und Schüttböden gebaut haben.

Die romanische Kirche stammt aus der ersten Hälfte des 13. Jahrhunderts. Im 14. Jahrhundert erhielt der Innenraum ein Sterngewölbe in drei Jochen. Bemerkenswert ist, dass die Innenausstattung der Kirche wie durch ein Wunder die Kriegshandlungen bei den Kämpfen auf den Seelower Höhen überstanden hat. Im Zentrum steht der barocke Kanzelaltar (um 1730), an den Wänden hängen etliche Tafeln zum Gedenken an die Komture der Johanniter. Am Eingang vor der Orgelempore weist ein barocker Taufengel den Weg zum Altar.

 

Ich hatte das Glück, zusammen mit dem Freundeskreis des Maxim-Gorki-Theaters in den Genuss einer lockeren und überaus informativen Führung durch Graf von Hardenberg höchstpersönlich zu kommen.


Komturei Lietzen
Lietzen Nord 38, 15306 Lietzen

033470 4960
www.komturei-lietzen.de
Bewerte diesen Beitrag
[Gesamt: 1, Durchschnitt: 5]

6 Antworten auf „Komturei Lietzen“

  1. Wir haben hier in der Kirche die Diamantene Hochzeit meiner Eltern gewürdigt. Es war einfach nur wunderschön, eine tolle ehrwürdige und geschichtsträchtige Kirche, die an den Templerorden erinnert.
    Nochmals Herzlichen Dank für die Erlaubnis ,unseren Eltern und Gästen eine unvergessliche Stunde zu bereiten.

  2. Die von Hardenbergs bekamen die Komturei in Lietzen tatsächlich im Jahr 1993 zurück übertragen.
    Die Restaurierung des Herrenhauses und des Gotischen Grtreidespeichers hat jedoch nicht Herr v.Hardenberg veranlasst, sondern die Denkmalpflege der vergangenen DDR. Einziger Restaurator des Herrenhauses war über Jahre hinweg ein Mann Namens Dieter Fischer der sich nie gegen diese Unwahrheit gewehrt hat. 1989 war die Arbeit bis auf dieTraillen des Geländers im Treppenhaus, die noch Lackiert werden mussten, abgeschlossen.
    Die Restaurierung des Speichers hat ebenfalls die Deutsche Denkmalpflege Anfang der 80er Jahre in Auftrag gegeben und vor dem Ende der DDR abgeschlossen. Dokumente dazu gibt es in dem Landeshsuptarchiv Potsdam.
    Ich war Zeuge der Arbeiten im Herrenhaus.
    Es ist sicher richtig das der Herr. v. Hardenberg das Herrenhaus nach seinen Wünschen umgestaltet hat, restauriert hat er es nicht.
    Ich habe schon Mitte der Neunziger Jahre einmal, einen Bericht des Senders, damals noch ORB, der genauso falsch war, versucht zu korrigieren, ohne Erfolg.
    Man bleibt bei der blanken Unwahrheit. Und das ist unerträglich.
    Ähnliches trifft für den Getreidespeicher in Friedersdorf zu.
    Ich und viele Helfer haben den Speicher ab Mai 1991 zum Kunstspeicher an der B 167 umgestaltet, mit der großzügigen Hilfe des Brandenburgischen Ministerium für Kultur und vielen Sponsoren. Wie z. B. der Robert – Bosch – Stiftung..
    Martin Wegner

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.